Puuh, ich bin total kaputt. Eigentlich sollte es heute ein ruhiger Tag werden. Da Otilia gestern eher beiläufig fragte, ob ich gerne das Haus sehen wolle, in dem Leonhard Cohen gelebt hat, habe ich gestern Abend etwas gegoogelt und gefunden, dass er in einem sehr netten Haus in Montreal geboren wurde. Beigesetzt ist er auf dem jüdischen Friedhof. Die Beisetzung hat noch vor der Bekanntgabe seines Todes stattgefunden. Ich war noch nie auf einem jüdischen Friedhof.
Studiert hat er am renommierten McGill College, das im 18. Jahrhundert von einem reichen schottischen Kaufmann gegründet wurde. Während ich dieses schreibe, lässt Jan Cohen Suzanne singen. Gänsehaut. Also haben wir uns heute Morgen auf den Weg gemacht und zuerst das College besucht, sehr im englischen Baustil, of course.

Danach haben wir uns auf einen langen Weg zum jüdischen Friedhof gemacht, vorbei an der angenehmen Wohngegend des Mont-Royal, wie der Name schon erahnen lässt, sehr wohlhabend mit hoher Ferrari-Dichte.

Auf dem Friedhof angekommen, geben uns die Gärtner gern und mit etwas Stolz Auskunft, welches das Cohen-Grab ist, das wir suchen. Die deutsch klingenden Namen vieler Gräber machen mich nachdenklich.

Nach einigen besinnlichen Minuten beeilen wir uns, um Otilia pünktlich zu treffen, die uns Cohens Haus zeigen will, in dem er sich bis zuletzt immer mal wieder aufgehalten haben soll. In Hamburg würde man sagen, im Portugiesen-Viertel gelegen, mit kleinem portugiesischen Park vor der Tür und der „Peep-Show“ an der nächsten Ecke. Die Legende sagt, er sei in diese quirlige Gegend gezogen, weil eine benachbarte Straße Rue Marie-Anne heißt.


An der anderen Straßenseite zeigt uns Otilia den Bagel-Shop, in den Cohen regelmäßig gegangen sein soll. Wir gehen hinein, in eine Art Bar und trinken einen Kaffee, wie Cohen ihn getrunken hat, Filterkaffee. Auf meine Frage, wo er immer gesessen habe, „an der Bar“, wo sonst. Am Eingangsbereich erinnern einige Fotos an ihn.

Nun müssen wir mit U-Bahn und Bus nach Westmount fahren, um sein Elternhaus anzuschauen. Seine Vorfahren entstammten einflussreichen jüdischen Familien aus Litauen und Russland. Entsprechend sind das Haus und die Wohngegend. Da Anschrift und Foto nicht übereinstimmen, müssen wir eine Nachbarin befragen, um sicher zu sein. Die ältere Dame ist sehr auskunftsfreudig, sie kannte Cohen persönlich, aber besser seine Schwester, die regelmäßig die Sommer in diesem Haus verbrachte.

Geschafft, nun haben wir alle Cohen-Plätze in Montreal angeschaut. Es hat sich gelohnt.
Danke für die ausführlichen Berichte! Bekomme Fernweh!
Danke, dass ihr uns von euren Erlebnissen erzählt! Die Berichte machen Lust auf mehr.
Oh ja – Susanne takes you down….
Hab gleich mein Vinyl durchsucht, doch der Plattenspieler ist zur Reparatur. Hab zum Glück noch ein Buch mit Lyriks von Cohen!
Gibt doch Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=6o6zMPLcXZ8