Vom Colca-Canyon nach Puno

Gestern morgen wurden wir wie tausende anderer Touristen aus weit verstreuten Hotels in aller Herrgottsfrühe abgeholt, um zum Colca-Canyon und zu den Condoren zu fahren, die Highlights dieser Gegend. Die zahllosen kleinen und großen Busse fahren im Gänsemarsch und halten alle an verschiedenen kleinen Attraktionen, wie morgendliche Tänze von Anden-Mädchen auf einem Marktplatz. Müssen sie nicht in die Schule? Peru hat sich ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm ergänzend zu den Natursehenswürdigkeiten ausgedacht. Überall bieten Anden-Frauen ihre bunten Textilien an, oft sehr schöner farblicher Kontrast zu der kargen Bergwelt. Aber nach dem dritten Stop mit den gleichen Auslagen wird es langweilig. Außerdem frage ich mich, wo all diese Textilien wohl gefertigt werden. In Chivay, unserem Ausgangspunkt des Ausflugs, leben 5.000 Menschen. Im Verhältnis zu anderen Dörfern ist dieses groß. Viele Anden-Frauen sind ganz traditionell frühmorgens zu Fuß auf dem Weg zum Markt, kaufen oder tauschen Obst und Gemüse, gehen dann vermutlich wieder zurück und kümmern sich um den Haushalt. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Wann bitteschön weben und stricken sie die zahllosen Mützen, Tücher, Schals, Handschuhe? Gesehen habe ich von der Produktion nichts. Jan meint, dass alle Textilien in Peru gefertigt werden, aber sicherlich zum großen Teil maschinell. Leider kann man sich mit den Menschen nicht unterhalten, was ich sehr schade finde. Manche sind, wie diese Verkäuferin, sehr aufgeschlossen. Ansonsten sind die meisten auch recht kontaktscheu.

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Süß sind die Alpakas schon und die Damen verdienen gern einen Sol für ein Foto. Dieses Alpaka heißt natürlich Blanca, welch anderen Namen konnte ich erwarten?

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Nach einiger Fahrzeit mit tollen Ausblicken auf die Terrassenfelder werden wir für eine gute Stunde der prallen Sonne mit Condoren (die man nicht immer zu sehen bekommt) und Marktfrauen ausgesetzt.

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Ich mag diesen Touristenrummel nicht, ziehe mich ein bisschen zurück, bis ein großes Raunen durch die Menge geht und die Handys sich gegen Himmel strecken. Nun zeigen sie sich, die einzigartigen Anden-Condore mit der großen Spannweite. Sehr professionell fliegen sie über die Köpfe der Besucher hinweg.

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Dann fährt die Buskolonne im Gänsemarsch wieder zurück zu verschiedenen Touristenrestaurants zum Mittagessen, alles sehr lecker und gut organisiert, finden sogar die zahlreichen französischen Touristen.

Wir nehmen anschließend den Touristenbus nach Puno. 7 Stunden in über 4.000 m Höhe. Ich habe das ganz gut verkraftet, weil ich brav morgens immer eine Sorojchi-Pille gegen die Höhenkrankheit einwerfe, wie es Augusto empfohlen hat. Aber Jan hat es erwischt. Schon im Bus hat er die Jacke an und teilt eine der verteilten Decken mit mir. Die Kokablätter verbessern seine Stimmung nicht, er möchte nun auch eine Pille. Im Hotel angekommen wird er sofort mit Sauerstoff versorgt. Die Chauffeurin meint, das rote Auge sei ein eindeutiges Anzeichen für hohen Blutdruck. Wie Jan damals die Kakerlake am Frühstücksbuffet freundlicherweise nicht fotografiert hat, mache ich kein Foto von ihm. Mit Atemmaske und großer Sauerstoffflasche daneben ist man nicht wirklich fotogen. So richtig helfen will es nicht. Um Mitternacht nimmt er eine zweite Dosis Sauerstoff in der Hotellobby. Der Nachtportier rät, eine halbe Stunde abzuwarten. Danach könne man den Arzt rufen und der würde Sauerstoff für die ganze Nacht verabreichen. Wir gehen wieder ins Zimmer. Peruanischer Arzt mitten in der Nacht, wollen wir das? Und dann schlafen wir ein.

Heute Morgen geht es nicht richtig besser. Wir befolgen nun doch Augusto’s Rat, bewegen uns wenig, verhalten uns ruhig und sagen die 2-tägige Tour auf dem Titicacasee ab. Nach einem leichten Frühstück nimmt Jan den heilenden Schlaf wieder auf. Schließlich wollen wir morgen wenigstens eine kleine Tour auf dem See machen.

2 Kommentare zu „Vom Colca-Canyon nach Puno“

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