Der Colca Canyon ist für mich das erste Naturhighlight der Reise. Zusammen mit dem Altiplano eine faszinierende Landschaft, die sich komplett von allem unterscheidet, was ich bisher gesehen habe. Auf der einen Seite die absolute Mondlandschaft des Altiplano und auf der anderen Seite dieses besiedelte Hochgebirgstal.
Irgendwann im Bus auf der Fahrt über die Hochebene hab ich nur gedacht, dass die Amerikaner die Mondlandung auch hier hätten drehen können. Ich weiß, zu viele Wolken.

Auf der Hinfahrt zum Canyon war ich eher auf die Alpakas fixiert und hab mir die Landschaft nicht richtig angesehen, auf der Fahrt hinaus war es dafür um so überraschender.

Peru hat eine Einwohnerdichte von 23 Menschen pro Quadratkilometer, kommt mir angesichts der Fahrt durchs Hochland fast zu groß vor. Sabine meinte, es würde eher nach 1 aussehen. Wir fahren noch an einem kleinen Hochgebirgssee vorbei, an dem es auch Flamingos gibt, aber alles menschenleer.

Aus dieser Wüstenlandschaft schaut man auf einmal in ein tiefes Tal, in dem es Dörfer, aber hauptsächlich Agrarfläche gibt. Es ist jetzt im Frühling noch nicht besonders grün und die Felder werden gerade erst bewirtschaftet, aber der Kontrast kann nicht größer sein. Allerdings sehen auch einige Terrassen unbewirtschaftet aus.

Armando, unser Reiseleiter, nennt drei Gründe für die nicht mehr komplette Bewirtschaftung der Felder. Erstens der Abzug der jungen Leute, die ihr Glück in der Stadt versuchen wollen, daher fehlt es einfach an Arbeitskraft, zweitens die Wasserknappheit, die neben dem Klimawandel auch von den Touristen verursacht wird und drittens wird doch mehr mit dem Traktor gemacht und die unzugänglichen Terrassen sind schwer zu bewirtschaften. Trotzdem kommt viel Mais, Karfoffeln und Quinoa aus dem Tal. Die ältesten Terrassen stammen von den Wari, also vor ca. 1000 Jahre, die neuesten, eher in der Talsohle sind ca. 100 Jahre alt. Wirklich flache Stellen gibt es im Tal nicht. Sehr schöne Landschaft, mal schaun ob der Machu Picchu das toppt.

Das zweite Highlight im Tal sind die Kondoren. Der heimliche Nationalvogel Perus, den wir schon als Denkmäler, Souvenirs und auf Bildern gesehen haben, mag es hoch und wild. Mit dem Truthahn verwandt, ist er eher schwer und braucht für seine Flugkünste eine Spannweite von 2,75 m – 3,25 m. Er nistet am liebsten an schroffen hohen Felswänden, um sich ausschließlich mit den Aufwinden treiben zu lassen.
So gibt es im Colca Canyon einen hohen Aussichtspunkt, mit den besten Aufwinden im Tal.

Mein erster Kondor kommt mir dann überraschend auch so nahe, dass ich dachte, ich könnte ihn mit ausgestrecktem Arm berühren. Ich hatte mich etwas von den Massen entfernt und saß auf einem Stein unterhalb der normalen Aussichtsterrassen, als dieser riesige Vogel um eine Felsenecke schoss. Der Körper ist nicht sehr grazil, eher Truthahn mit riesigen Flügeln, sein Gleitflug dafür aber um so beeindruckender, da man die einzelnen Federn sehr gut erkennen kann.

Das Wetter war dermaßen gut und die Kondoren so gut drauf, dass ich selbst mit Handy ein paar nette Bilder hinbekommen habe. Hätte ich nie gedacht. Hier noch meine beiden Lieblingsvideos.
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