Durch die Pampa in die Berge

Gestern sind wir auf’s Land gefahren. Obwohl wir eine englischsprachige Tour gebucht hatten, waren wir die Einzigen, die nicht Spanisch sprachen. Die Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen spanischsprachigen Ländern, u.a. ein Pärchen aus Lima, ein Herr aus Barcelona, der hier seine vor 50 Jahren ausgewanderte Familie besuchte. Mit ihm habe ich kurz über die Situation in Katalonien gesprochen, er war für die Abtrennung und meinte, sie wollten ein Partner von Spanien und der EU sein. Ja dann.

In einem ziemlich klapprigen Bus ging es erstmal durch die flache Pampa. Die Felder waren zum Teil gerade abgeerntet und zum Teil  wuchsen neue kleine Pflänzchen.

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Nach einiger Zeit ging es ab in die höher gelegene Hügellandschaft, zum Stausee Los Molinos.

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Zusammen mit drei anderen Flüssen wird über diesen Wasservorrat die Bewässerung der Region reguliert. Deshalb gibt es in der Pampa auch zwischendurch Grünes. Zumindest habe ich es so verstanden.

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Eigentliches Ziel dieses Ausflugs war das Dorf La Cumbrecita auf 1.450 m Höhe, das 1932 von einer deutschen Familie gegründet worden sein soll. Wie die Reiseleiterin erzählte, war es ein früherer Siemens-Mitarbeiter aus Buenos Aires, der hierher kam und sich in die Landschaft verliebte. Kann ich mir gut vorstellen, es sieht an manchen Stellen aus wie im deutschen Mittelgebirge oder Alpenvorland – Heimatgefühle werden sich breit gemacht haben. Sein (umgebautes) Wohnhaus ist heute ein Hotel.

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Der ganze Ort wirkt sehr gepflegt, es gibt deutsches Bier und sonst auch viele deutsche Anklänge. Genaueres über Helmuth Cabjolsky konnte ich leider nicht finden. Wir hatten zuvor nichts über diesen Ort gehört.

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Wir hatten uns für diesen Ausflug entschieden, weil wir die Empfehlung bekommen hatten, in das deutsche Dorf Villa General Belgrano zu fahren, um es als eine Kuriosität anzuschauen. Auch dieses Dorf ist sehr gepflegt, auffallend sauber, der Baustil wird als deutsch-alpin bezeichnet. Hier gibt es Oktoberfest, Alpenschokoladefest und Weihnachtsbazar.

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Das Dorf soll früher eine private Poststation gewesen sein, die 1932 von deutschstämmigen Einwanderern gekauft wurde. Auch hier war sicherlich die umgebende Berglandschaft der Grund dafür, dass viele Einwanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gekommen sind. Hier sollen sich um 1940 auch einige der Seeleute der Admiral Graf Spee niedergelassen haben, die zuvor ihr Schiff im Rio de la Plata vor Montevideo selbst zerstört hatten. In den 30-er Jahren sind wohl viele jüdische Deutsche nach Argentinien gegangen, nach dem 2. Weltkrieg waren es überwiegend Nationalsozialisten, die sich hierher zurückgezogen haben. Sehr geschichtsträchtig, diese Gegend, leider lassen sich nicht so leicht Informationen dazu finden.

 

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