Nicht, dass wir noch keinen getrunken hätten, aber heute haben wir uns das mal vor Ort auf einem großen Weingut angeschaut.
Eigentlich wollten wir ja schon gestern los und hatten uns die einzige Tramlinie in Mendozas ausgeguckt, um in den nahegelegenen Weinort Maipú zu fahren. Als wir jedoch an der Haltestelle standen und versuchten ein Ticket zu lösen, war da nichts, auch die anderen Fahrgäste hatten auf Sabines englische Fragen keine Antworten. Also sind wir eingestiegen, um zu schauen, ob es da einen Fahrkartenautomaten gibt. Gabs nicht, also nach einer Station schwarzfahren wieder ausgestiegen. Die Touristeninfo hat uns dann verraten, dass man im Kiosk eine Redbus Karte kaufen und aufladen muss, dann kontaktlos im Bus bezahlen. Eine Fahrt 8,50 Soles. Der Hotelportier hat uns netterweise eine Karte zu Verfügung gestellt, war noch ein bisschen Geld drauf, heute konnten wir dann mal los.

Wagen, von Siemens/Duewag 1988 gebaut und aus San Diego eingekauft, ganz solide Technik, oder Thomas? Wie sieht’s denn da mit Predictive Maintenance aus? Da die Schienen alle schön verschraubt waren, hat man sich eher wie auf dem Wüstenkamel gefühlt.
Aber war ja unser erster Zug in Südamerika, gibt’s nichts zu meckern.
Die Endhaltestelle liegt etwa anderthalb Kilometer vom Ortskern Maipús entfernt. Wir laufen einfach mal zum ersten Weingut, wir hatten schon erfahren, dass hier von 12:00 bis 14:00 Uhr Mittagsruhe herrscht. Es ist genau 14:00 Uhr und uns wird das große Eingangstor aufgeschlossen.

Das Weingut heißt Bodegas Lopez und ist eines der größeren Weingüter in Argentinien. Die nächste Führung auf englisch ist erst um 15:30 Uhr, wir könnten aber durchaus im hofeigenen Restaurant speisen, sagt man uns. Wir überlegen kurz, ob wir stattdessen in den Ort laufen, erinnern uns aber dann unseres Mottos, langsam reisen. Das Mittagessen ist wirklich super, Sabine ist es zwar zu warm für Wein, ich bestelle aber schon mal ein Glas eines 5 Jahre im Holzfass ausgebauten Gewächses. Dazu teilen wir uns ein Steak mit Salat. Richtig entschieden, das Steak ist das größte, das wir bisher hatten und selbst durch zwei geteilt mehr als ausreichend. Super Restaurant, super Entscheidung.
Die Führung ist rein in englisch und wir sind die einzigen Teilnehmer, sehr entspannend. Der Führer, ausgebildeter Sommelier, hat auch richtig Ahnung. Das Weingut hat immer „europäische“ Weine produzieren wollen, keine neue Welt Weine. Daher wird auch der ganze Rotwein in europäischen Holzfässern ausgebaut. Alle Fässer wurden in den 1920er Jahren aus Frankreich importiert und sind noch heute in Gebrauch.

Der hochwertige Wein
ist, nach seiner Aussage, reine Handarbeit, sowohl der Rebenbeschnitt als auch die Ernte. Gelernt habe ich, dass hier die höheren Lagen zuerst geerntet werden und dass wegen der vielen Sonne alle Blätter am Weinstock verbleiben. Die ganze Verarbeitung macht einen sehr guten Eindruck.
Die Weinprobe besteht leider nur aus zwei Weinen, den roten kaufen wir, aber in einer 3/8-tel Flasche für den Abend. Der neue weiße Dessertwein schmeckt uns zwar auch, ist aber sicher besser mit einem dicken Schokonachtisch.
Da es jetzt schon 16:30 ist, beschließen wir, wieder nach Mendoza zurückzufahren und lieber morgen nochmal her zu kommen.
Außerdem haben wir noch keinen richtigen Weinstock zu Gesicht bekommen. Die Felder von Lopez liegen alle etwas außerhalb und sind nicht Teil der Tour.

Der Wein hat uns abends sehr gut geschmeckt und wir freuen uns auf einen weiteren Besuch morgen.
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