Argentinischer Wein zum Zweiten

Heute hatten wir mehr Weinhistorie als Wein. Giol wurde uns mehrfach als besuchenswertes Weingut beschrieben, zudem es direkt neben einem Weinmuseum in dem alten Wohnhaus der ehemaligen Besitzer liegt. Eigentlich wollten wir es gestern schon besucht haben, waren aber zu spät dran.

Also haben wir uns diesmal in einen öffentlichen Bus gesetzt und sind nochmal nach Maipú rausgefahren. Wir wussten ja, dass es etwas länger dauern würde als gestern mit der Bahn, allerdings hatten wir unterschätzt, was es bedeutet, wenn man jederzeit den Arm raushalten kann, um den Bus anzuhalten. Er hält damit nicht nur an jeder Milchkanne, sondern evtl. auch noch dazwischen.

Als wir endlich bei Giol eintreffen, sind wir die einzigen Besucher und Marisol, die wirklich nette Führerin, zeigt uns das Weingut. Dass dieses seit 1996 nicht mehr in Betrieb ist, erfahren wir eher beiläufig auf Nachfrage. Die Gärfässer, die heutzutage ausschließlich aus Edelstahl sind, präsentieren sich hier löchrig, wackelig und aus Holz.

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Dafür verbreiten sie aber einen wirklich intensiven Weingeruch, sodass es einem den Atem raubt.

Giol war in den 1920ern das angeblich größte Weingut der Welt mit 12.000.000 Flaschen Jahresproduktion. Nach der Anzahl Holzfässer kann man das schon glauben. 2000 Arbeiter waren das ganze Jahr über mit dieser Produktion beschäftigt. Danach wurde es von einer Bank und später vom Staat übernommen. Das Aus 1996 war wohl auch den alten Gerätschaften geschuldet. Am Ende der Halle steht noch das größte Weinfass der Welt aus Holz, 700 Hektoliter Inhalt.

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Jetzt geht es in den Keller runter und wir sehen wirklich viele Holzfässer zum Ausbau des Rotweines. Jede Ecke ist ausgenutzt, der Keller ist riesig. Es sind konstante 15°.

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Am Ende des Kellers dann noch 2 ebenfalls riesige gemauerte Tanks für den Weißwein, angeblich 30 Meter tief. 2500 Hektoliter sind schließlich 250 m³. Also Radius: SQRT(250m³/30m/PI) = 1,63m, kommt so ca. hin. Echo konnte man auch spielen.

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Alles sehr beeindruckend, 1920er in Argentinien. Sabine fand den morbiden Charme eher deprimierend.

Weinprobe gabs, war aber so la la. Scheinbar experimentieren alle mit einem weißen Süßwein mit ca. 8% Alkohol, Stop der Gärung durch Abkühlen des Weines. Sehr leicht aber süß, mit unserem Eiswein nicht zu vergleichen, außerdem kaum Farbe. Wir sind uns nicht sicher, wann man den gut trinken kann, mussten ihn immerhin schon drei mal verkosten.

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Danach sind wir ins Museum nebenan gegangen. Da es staatlich ist, sieht die Parkplatzzufahrt, der einzige Zugang, eher nach Kaserneneingang aus. Wir trauen uns  aber mal rein. Die Villa sieht von außen einigermaßen aus, innen ist es aber eher unangetastet, seit es in den 1960ern an den Staat ging. Wir hatten immer noch die Behringer Villa im Sonoma Valley in Kalifornien im Kopf, war auch in den Prospekten so angekündigt, daher sind wir schon etwas enttäuscht, da kann auch die Ausstellung über die Weinköniginnen aus Maipú incl. Originalkleidern, nichts ausrichten.

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Das Lustige ist, dass die Bilder immer deutlich besser als die Wirklichkeit aussehen, selbst wenn man sich bemüht, die kaputten Stellen mit zu fotografieren.

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Wir sind in Argentinien, alles dauert immer etwas länger als erwartet, somit besichtigen wir noch kurz das Zentrum von Maipú, nichts Erwähnenswertes und fahren dann mit dem nächsten Bus wieder zurück nach Mendoza.

 

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