Als Rolf sagte, er wolle sich gerne eine alte Walfangstation mit Museum südlich von Valparaiso ansehen, habe ich mir heroische Geschichten à la „Der alte Mann und das Meer“ vorgestellt. Bilder von kämpfenden Walfängern gegen die aufgebrachte See und wilde Tiere. Es war dann aber völlig anders.
Die Quintay Walstation ist ein kleiner Hafen, 30 km südlich von Valparaiso. Hier wurde zwischen 1943 und 1964 Walfang betrieben.
Durch die schöne Küstenlandschaft mit vielen Sandbuchten fahren wir plötzlich sehr steil runter zum Hafen. In einer kleinen Bucht gibt es einen kleinen Fischereihafen mit vielen bunten Holzbooten. Das Meer ist relativ ruhig, aber die rostige Hafenmole zeugt von hohem Wasser und wilder Gischt.

Das Museum liegt am Ende des Hafens, sehr exponiert. Damit die großen Walfänger anlegen konnten, hatten englische und deutsche Ingenieure eine neue Fläche zwischen einigen vorgelagerten Felsen geschaffen. In einer Ausstellungshalle sehen wir Fotos aus der Walfangzeit, aber diese sind etwas klein und wir können uns den ganzen Vorgang noch nicht so richtig vorstellen.

Draußen geht man dann aber genau über die Anlagen, die schon auf den Fotos zu sehen sind. Die Größe der Rampe und der Außenfläche zum Heraufziehen und Zerlegen der riesigen Blauwale kann man hier so richtig erfahren, da alles noch original erhalten ist. Selbst die Schleifspuren sind deutlich im Beton zu sehen.

Wir klettern kurz auf einen kleinen Felsen inmitten der Anlage, er ist sehr schön, mit den verschiedensten Kakteenarten bewachsen, und liefert ein buntes Bild der Küstenvegetation. Ein Blick raus auf den wilden Pazifik gibt es inklusive. Die Küste ist sehr felsig und man kann sich die wilden Manöver der Walfänger ein bisschen vorstellen.

Als wir danach noch mal in die Ausstellung gehen, können wir uns die einzelnen Schritte der Walverarbeitung lebhaft vorstellen. Die alten Fotos haben auf einmal eine ganz andere Lebendigkeit. Wir denken an ein Video von Björk, das wir bei Ingvild Götz gesehen haben, sehr blutig, auf einem japanischen Walfänger gedreht, Björk typische Musik. Leider kann ich mich nicht an den Titel erinnern.

Auf dem Rückweg wäscht ein Fischer gerade ein paar Eimer aus, eine unglaubliche Vogelschar spickt auf Fischabfälle. Mit den kleinen Booten ein riesiger Kontrast zu den Walen, aber irgendwie sympathischer.

Hier kommen wir auch zum ersten mal wirklich nah an die südamerikanischen Pelikane ran. Sie haben buntere Schnäbel als die nordamerikanischen und ihre Schnabelsäcke sind deutlich kleiner.

Beeindruckender Ausflug, aber so ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte.