Die Mapuche

Gestern haben wir die Mapuche besucht. Ca. 600.000 Ureinwohner Chiles leben in der Mitte des Landes. Das war für mich eine Höllenfahrt dorthin über sehr holprige Straßen mit dicken Steinen. Ich hatte große Angst um unser schönes, rotes Auto. Aber die Sauerländer lieben solche Schotterpisten. Da hier Vorsaison ist, sind alle ausgeschilderten Mapuche-Hütten noch geschlossen. Am frühen Nachmittag wird Mapuche-Gastronomie in Aussicht gestellt. Da wir Hunger und Lust auf eine Kostprobe haben, halten wir an.

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Ein normales Wohnhaus, daneben ein Restaurant und eine Ruka, das frühere Wohnhaus der Mapuche. Heutzutage wird es den Touristen gezeigt. Die Feuerstelle ist in der Mitte mit der Rauchabzugsöffnung darüber. Drumherum versammelt sich die Großfamilie zum Essen. Die Tür zum Restaurant nebenan ist offen, aber es ist völlig unbelebt. Nach geraumer Zeit zeigt sich Norma, eine Mapuche-Frau. Das Restaurant ist geschlossen, wie schade. Aber sie zeigt uns gerne die Ruka.

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Ich will wissen, was sie IMG_6319.JPG typischerweise essen. Rolf übersetzt meine Frage. Tortilla, Eintöpfe, Fleisch, kein Fisch, obwohl ein See und der Pazifik nur wenige Kilometer entfernt sind. Sie seien Selbstversorger und würden nichts dazukaufen. Das Biofleisch läuft dann auch fröhlich vergnügt durch Gärten und über Wiesen: Hühner, Truthähne, Rinder, Schafe, Ziegen, viele kleine braune Schweine. Auf den Feldern sieht man überwiegend Getreide und Kartoffeln. Obstanbau sehe ich nicht. In den Vorgärten leuchten oftmals große Rosensträucher.

Ich denke, die Mapuche essen viel Weißbrot und Kartoffeln. Sie sind recht kleinwüchsig und werden mit zunehmendem Alter sehr korpulent. Das Getreide haben ihnen die Spanier mitgebracht. Vorher hatten sie sicherlich einen gesünderen Speiseplan.

Ihr Gesichtsausdruck ist sehr energisch.IMG_6310 Ich denke, der dürfte sehr dazu beigetragen haben, dass sie den Spaniern soviel Widerstand geleistet haben. Bis heute kämpfen sie für ihre Rechte.

Sehr beeindruckt hat mich, dass es in ihrem Gebiet am Lago Budi keine Festungsanlagen gibt. Es ist Landschaft pur, in die sie ihre kleinen Häuser  gebaut haben.

Sie haben dieses Siedlungsgebiet sehr gut ausgewählt. Es ist eine sanfte Hügellandschaft, die offensichtlich mit Wasser ausreichend für ein gutes Pflanzenwachstum versorgt wird. Außerdem haben sie die Nähe zu See und Meer, die sie aber offensichtlich für ihr Leben nicht unbedingt benötigen.

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Sehr schön finde ich die Bewirtschaftung der Felder, die sich an die Hügel anschmiegt und oftmals der Landschaft folgend einen Bogen beschreibt. Sie nutzen die windgeschützten, sonnenbeschienenen Hügel für ihre Landwirtschaft. Ihr Lebensraum wirkt trotz der angelegten Nutzflächen sehr natürlich. Es ist so ganz anders als bei den Inka, die mit großem Aufwand die steilen Hänge nutzbar machen mussten.

Schön, mal wieder eine Idee von einem weiteren „Substrat“-volk zu bekommen, das die Spanier nicht mit ihrer Kultur überziehen konnten.

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