Kauri

Was sind Kauri, das hätte ich dieser Tage noch gefragt. Als wir gestern in Matakohe auf dem Campingplatz ankamen und uns etwas auf die heutige Tour vorbereitet haben, kamen immer Kauri-Bäume vor. Direkt neben dem Campingplatz gab es das erste Museum zu dem Thema, ein paar Kilometer weiter das zweite. Außerdem waren mehrere kleine Wanderungen zu Originalbäumen beschrieben. Für letztere haben wir uns entschieden und dachten, schauen wir uns die Bäume an und dann geht’s weiter. Aber so schnell ging das überhaupt nicht. Zunächst fuhren wir noch durch recht friedliche Landschaft, etwas hügelig, mit grünen Wiesen, Rindern und gelegentlich kleinen Wäldern. Ich dachte, okay, das ist Neuseeland.

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Und dann kamen wir zum Trounson Kauri Park. Dieser Naturpark zum Schutz der Kauri-Bäume wurde 1929 von Herrn Trounson ins Leben gerufen. Die Ur-Bäume des nördlichen Teils der Nordinsel von Neuseeland sind sehr alt und groß und bedeckten in früheren Jahrhunderten den gesamten Nordinselteil. Im 19. Jahrhundert wurden sie zu einem Großteil gerodet. Wir hatten uns schon das Einwanderermuseum in Puhoi angeschaut. Jetzt muss ich immer an die armen Einwanderer denken, denen man zwar als Anreiz Land geschenkt hatte, aber man hatte ihnen nicht gesagt, dass es sich um Urwald in einer sehr hügeligen Gegend handeln würde. 20 Jahre haben sie gebraucht, um das Land bewirtschaften zu können. Aus dem gefällten Holz haben die Siedler alles gefertigt, woraus sie Geld machen konnten, u.a. Dachschindeln.

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Für den weiteren Weg waren noch einige Superlativ-Exemplare angekündigt, der größte, der älteste u.ä. Hat man im letzten Jahrhundert die Wälder bedenkenlos abgeholzt, werden die übriggebliebenen Exemplare heutzutage wie kostbare Exponate touristisch vermarktet.

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Ich finde es selbstverständlich schön, dass man diese Bäume noch anschauen kann. Es sind wirklich beeindruckende Naturerscheinungen, manche sollen mehr als 2000 Jahre alt sein, haben also schon einiges erlebt. Was mich auf meinem Weg durch den Wald betrüblich stimmt, ist, dass Menschen offenbar nicht respekt- und maßvoll mit der Natur umgehen können, von verantwortungsvoll will ich gar nicht sprechen.

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Wir fahren von einer Kauri-Besichtungsstelle zur nächsten und gelangen immer tiefer in den neuseeländischen, subtropischen Regenwald. Die Wälder erscheinen stellenweise undurchdringlich, dann auch wieder etwas lichter. Das Erstaunlichste ist für mich, wie sehr die geteerte Straße irgendwann nur noch wie eine Schneise durch den Dschungel wirkt.

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Wir kommen an 2 Einsatzwagen für „Straßenpflege“ vorbei. Sie nehmen heruntergefallene, abgestorbene Äste auf und schneiden überhängende ab. An manchen Stellen ragen die Bäume von beiden Seiten sehr weit auf die Straße, so dass man sich wie in einem Tunnel fühlt. Jan hat eine Kamera auf der Motorhaube befestigt und unsere Fahrt gefilmt.

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Ich glaube, wenn 2 Monate lang niemand diese Straße durch den Dschungel befahren und niemand die Pflanzen beschneiden würde, wäre die Straße nicht mehr befahrbar. Die Vegetation scheint mir hier besonders üppig zu sein und alles scheint sehr schnell zu wachsen.

Es ist für mich ein großartiges Erlebnis, mit dem ich am Morgen nicht gerechnet hatte. Außerdem finde ich die Rundgänge viel angenehmer als die Spaziergänge durch den peruanischen Dschungel. Dort war es zu heiß und zu feucht. In Chile bin ich irgendwann im Morast versunken. Hier sind die Wege sehr gepflegt, man geht weite Strecken über Holzplankenwege, die in erster Linie zum Schutz für die Kauri-Bäume sind. Ihre Wurzeln sind sehr empfindlich und dürfen nicht betreten werden. Das Klima ist sehr angenehm.

Jeweils am Ein- und Ausgang der Parks muss man die Schuhe mit einer Waschanlage reinigen, damit die Bio-Diversität der neuseeländischen Flora keinen Schaden nimmt.

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Keines der Fotos, die ich diesem Artikel beifüge, kann annähernd einen Eindruck von diesem einzigartigen Naturspektakel einfangen.

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