Tag 2 im Zug, Türen geschlossen, kein Entrinnen. Der Speisewagen ist in einen Teil Bar und einen Teil Restaurant aufgeteilt. Da viele Personen an Bord des Zuges sind, wird in 3 Schichten gegessen. Hört sich schlimm an, ist es aber nicht, man arbeitet sich halt durch die Bar. Wir lernen viele Mitfahrer kennen, sowohl an der Bar als auch im Restaurant, indem fleißig gemischte Vierer-Tische vergeben werden. Wir lernen Leute aus Melbourne, Perth, Adelaide und Brisbane kennen. Entgegen unserer Erwartung sind fast alle Reisenden Australier. Es wird viel übers Reisen gesprochen, Politik lassen wir möglichst aus. Ein sehr dreuges amerikanisches Ehepaar stellt sich als Motelbesitzer vor, 40 km vom Yellowstone entfernt, ich melde uns mal an, man muss ja Ziele haben.
Der Tag hat um 5:45 gestartet, wir werden durch lautes Klopfen an die Tür geweckt und machen uns für den frühmorgendlichen Sonnenaufgangshalt bereit. Laternen am Zug entlang und offene Feuer sorgen für Schlangenabwehr, die ersten Fliegen sind trotzdem schon unterwegs. Es gibt Kaffee, Tee, Zimtschnecken ohne Zimt aber mit Vegemite und leckere Slider mit Ham & Eggs, sowas wie weiche Brötchen mit Schinken und Ei. Warten auf den Sonnenaufgang an unserem 1 km langen Zug.

In die andere Richtung ist er noch mal so lang. Dann geht es los durch unsere rote Wüste.

Allerdings nehmen wir erstmal noch eine Mütze Schlaf, war doch früh und schlafen im Zug klappt nicht auf Anhieb.

Die flache Landschaft wird am Horizont von einigen Tafelbergen aufgelockert. Es gibt permanent was zu sehen. Hat man sich gerade an die Büsche oder das einsame Gras gewöhnt, kommen Bäume oder andere Büsche. Am Denkmal der 1 millionsten Schwelle seit Adelaide ist es fast grün.

Sehr selten tauchen diese Mobilé Strommasten auf, ab und an gibt es Richtfunkantennen, die die alten Telegrafenleitungen ersetzen.

Wir haben einen längeren Aufenthalt in Alice Springs, nach der Hälfte der Reise. Kreuzfahrtmäßig werden verschiedene Ausflüge angeboten. Sabine macht eine Stadtbesichtigung, ich schaue mir den Desert Park, einen Tier- und Pflanzenpark, der auf kleinstem Raum die umliegende Landschaft abbildet, an. Interessant war es, einen, nach Aussage der Ranger, normalgewichtigen Dingo zu sehen. Dingos sind sehr gefährdet, da es zu viele wilde Hunde gibt und die Chance, einen reinrassigen Dingo zu treffen, immer geringer wird.

Flugshow, dunkler Raum mit Rotlicht Lampen, um die nachtaktiven Tiere zu sehen, viele Vögel und Fische. Alles sehr schön gemacht und informativ. Eine Aborigine stellt Werkzeuge und Naturheilmittel vor, ein Ranger berichtet von seinem Kampf, die lokalen, sehr kleinen Wallabys vor dem Aussterben zu bewahren. Schnuckelig waren auch die Panzerechsen, keine Angst, nicht größer als 10-15 cm.

Vogelfotos, wie immer schwierig, diesen kleinen Läufer habe ich aber mal erwischt. Er war so froh, dass die durchtrampelnde Busladung Leute endlich weg war und hat sich freiwillig knipsen lassen.

Auf dem Rückweg bin ich im fast tropischen Regen aufgeweicht worden und muss mich fürs Abendessen komplett umkleiden.

Aus unserem schmalen Zugfenster kann man sich noch mal den südlichen Sternenhimmel anschauen.
Nicht viel bewegt, aber viel gegessen. Den Aussie Spruch „If you never, never go, you’ll never, never know.“, hab ich heute auch noch gelernt, scheint das Motto des Outbacks zu sein. Find ich passend, auch für uns.