Tag 3 im Ghan. Wir haben heute Nacht gut geschlafen. Trotzdem werden wir durch etwas Musik um 5:30 Uhr geweckt. Frühstückserinnerung, der zweite Ausflug um 9:00 Uhr in Katharine steht an. Wir sind die Nacht durchgefahren und haben ein ganzes Stück geschafft. Die Landschaft begrüßt uns mit Termitenhügeln, vor Kathrine sind sie sehr spitz aber nur 50 – 60 cm hoch. Sehen aber toll aus, da aus schönem roten Lehm geformt. Wie schon in der Schule gelernt, so gebaut, dass sie möglichst wenig Sonne einfangen und vom Wind gut belüftet werden.
Katharine ist, wie Alice Springs, eine alte Telegrafenstation, es wohnten hier allerdings bis zum 2. Weltkrieg kaum Leute. Der Boom kam mit dem Ausbau als Militärstützpunkt während und nach dem 2. Weltkrieg. Heute ist das Militär, aber auch der Mangoanbau Hauptarbeitgeber. Wir schauen uns die Stadt gar nicht an, sondern werden zu einer naheliegenden Schlucht, durch die der Katherine River fließt, gefahren. Wegen des Hochwassers, die Regenzeit ist in vollem Gange, werden keine alternativen Touren angeboten und so drängen sich alle 300 Gäste des Zuges an einer Bootsanlegestelle. Massentourismus par excellence. Durchschnittsalter, hoch.

In der Schlucht waren uns Stromschnellen versprochen worden, die man mit einem Boot hochfahren kann. Wie sich aber herausstellt, ist der Wasserstand exakt so, dass wir an die erste der sechs Stromschnellen von unten ranfahren können. Etwas weniger Wasser ließe uns durchfahren, etwas mehr Wasser einfach drüber, hab ich zwar nicht ganz verstanden aber nix zu machen. Durch die kürzere Fahrt und die Zeit, die wir verbraten müssen, bevor der Zug wieder ablegt, fahren wir in sehr langsamem Tempo den trägen Fluss hoch.

Der Kapitän der Aluwanne ist auch gleichzeitig Fremdenführer und erzählt in breitestem Australisch so vor sich hin. Die Begriffe „Freshies“ und „Salties“ fallen sehr häufig. Freshies sind bis 3 Meter lang, Salties bis 5. Springt man ins Wasser, schwimmt das Freshie weg, das Saltie kommt aber ran. Ist als Unterscheidungsmerkmal nicht geeignet, da man das Saltie meistens nicht überlebt. Gemeint sind natürlich die Krokodile Nordaustraliens. Freshie ist das Frisch- oder Süßwasser Krokodil, Saltie das Salzwasser. Zur Hochwasserzeit schwimmen die Salties jeden Fluss rauf und in jedes Überschwemmungsgebiet rein. Die Aussies sind da sehr vorsichtig. Ein Mitfahrer zeigt mir am Abend ein Foto, dass er von einem Krokodil gemacht hat. Man sieht zwar nur einen verschwommenen Stock, aber er meinte, es sei kurz auf- und wieder abgetaucht. Wir waren leider nicht bei den Glücklichen.

Die Seiten werden etwas steiniger, einige kleine Wasserfälle tauchen auf. Wir sind mit 3 Chinesen unterwegs und es wird jeder Felsen und jede Welle dokumentiert. Dabei finden sie auch noch Zeit, etliche Selfies zu produzieren und aufgescheucht auf dem Boot rumzulaufen. Gibt der Szenerie natürlich gleich ein ganz anderes Gewicht, vielleicht bin ich einfach nur zu verwöhnt.

Achja, die Stromschnelle darf ich nicht vergessen. Hatte schon etwas Druck. Kayak fahren durfte man aber wegen der Salties heute nicht.

Der superharte Sandstein erinnerte ein bisschen an’s Elbsandsteingebirge, Wetter war aber mit 30°+ etwas besser. Kaum im Zug hat uns auch der Regen wieder. Die Landschaft wird langsam grüner und die Termitenhügel werden immer größer. Leider sind sie nicht mehr so rot, dafür aber wirklich imposant. 3 Meter Höhe sind jetzt keine Seltenheit.

Sorry, fotografieren ist auch bei 120 km/h schwierig.
Ein finales Gläschen Sekt im Zug haben wir uns gestattet. Wir sind jetzt auch schon richtig im Regenwald. Überall Wasser, Flüsse bis oben gefüllt, viele Wassertümpel, die sonst nicht da sind und natürlich grünes Gras unter grünen Bäumen. Darwin Bahnhof ist etwas außerhalb und wir werden mit dem Bus in unser Hotel gebracht.

Noch ein bisschen Statistik, unser Zug war etwas länger, da insgesamt 298 Passagiere in 42 Wagen transportiert wurden.

Uns hat es gut gefallen, ob wir allerdings noch eine mehrtägige Zugtour machen würden, haben wir mal offen gelassen.