Hà Nội Greet

Den ersten Eindruck von Hanoi hatte ich gestern schon mit Sabine gewonnen. Bei einem kurzen Spaziergang an unserem See entlang zum Opernhaus mussten wir uns an den Lärm, den Verkehr und die mit Vespas vollgeparkten Gehsteige gewöhnen. Heute haben wir dann eine Verabredung mit Hieu, einem Hanoi Greeter. Sabine meldet sich kurzerhand krank, letzte Nacht schlecht geschlafen und einen üblen Husten vor sich her tragend, geht sie wieder zu Bett.

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Ich treffe Hieu vor unserem Hotel und los geht’s. Ein paar Straßen weiter, genau vor diesem, mit westlicher Leuchtreklame verseuchten Hotel, erklärt er mir, dass Vietnam neben China, Laos, Nord Korea und Kuba eines der letzten fünf kommunistischen Länder der Erde sei. Ich muss schon mal schmunzeln. Hanoi wurde von den Franzosen ab 1873 zu ihrer Hauptstadt von Indochina ausgebaut. Viele Bauten zeugen von dem 90 jährigen Einfluss der Franzosen. Das kommunistische Regime wollte die Gebäude weder abreißen noch ihnen das Straßenbild überlassen und so hat man einfach eine weitere Reihe Häuser davorgesetzt. Also blitzt die nette Architektur manchmal zwischen den kommunistischen Plattenbauten hervor.

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Da aber alles kommunistisch dem Staat gehört und gleich verteilt wurde, wohnen mehrere Familien in solch einem Haus, was die Renovierungsbemühungen fast unmöglich macht. Daher sieht alles etwas heruntergekommen aus, auf der anderen Seite ist dadurch vieles noch Original. Hanoi wurde 1972 in einer einzigen Nacht von den Amerikanern zu 25% zerstört, alles mit den B52s, da kann man froh sein, dass überhaupt noch was Altes da ist.

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Ich frage ihn nach dem heutigen Verhältnis zu den Amerikanern und er sagt, dass für den Vietnamesen an aller erster Stelle die Familie, dann die Ahnen, dann das Dorf und zu aller Letzt das Land kommt und dass dadurch die meisten der jüngeren Generation ein relaxtes Verhältnis zu den alten Feinden haben, erstaunlich. Wir reden auch über das Internet und dass es hier ziemlich gut ist. Er sagt, dass es auch nicht zensiert wird, wie in China, sondern dass die Partei es versäumt hätte und alle Versuche, es nachträglich zu schließen, an Protesten gescheitert sei. Die Stadt hätte auch all die Straßenbäume fällen wollen, aber im Internet organisierte Proteste hätten ein Umdenken eingeleitet.

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Grinsend frage ich ihn nochmal, ob er wirklich meint, es handelt sich hier nach wie vor um ein reines kommunistisches Regime. Aber wir können uns da nicht einigen. Was dann aber doch wieder sehr kommunistisch daherkommt, ist der Aufmarschplatz zwischen Parlament und Hoh Chi Minh Mausoleum. Militärparaden und Ehrungen des einstigen Führers werden hier nach wie vor abgehalten.

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Hieu spricht auch offen über die Korruption im Land. Er hat gerade seinen Job bei der Regierung oder Verwaltung gekündigt, um etwas in der Industrie zu suchen. Beamtentum sei nichts für ihn und man hätte ein recht unregelmäßiges Einkommen, da die Beamten sehr schlecht bezahlt seien und ohne gewisse Spenden nicht über die Runden kommen würden. Ich hab da doch einen sehr interessanten Gesprächspartner gefunden.

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Wir besuchen die Chùa Trấn Quốc, die älteste Pagode in Hanoi, gebaut zwischen 544 und 548 n. Chr. Ich reite natürlich auf dem Kommunismus rum und frage, ob denn nicht der Atheismus hier Staatsreligion sei. Er stellt mir statt einer Antwort die vietnamesische Mischung der Religionen vor, Buddhismus ist ja fein, aber wir können doch nicht den Taoismus und den Konfuzianismus außer Acht lassen. Außerdem hilft ein wenig Feng Shui auch weiter. Die Tempel haben daher immer mehrere Seitenaltäre, um andere Lehren zu repräsentieren und den Mischreligionen einen Ort zu geben. Vor dem Haupteingang ein Wasserbecken mit Bonsai und heiligem Berg als Miniatur, streng nach Feng Shui, sagt Hieu.

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Im Hintergrund sind noch die Türme zu sehen, in denen die Asche von wichtigen Mönchen aufgehoben wird. Ich kann mich über den Informationsfluss nicht beklagen, so offen über Gott und die Welt habe ich mit einem Fremden schon lange nicht mehr gesprochen.

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Zum Abschluss gibt es noch eine Bún chả Nudelsuppe in einem typischen Straßenrestaurant. Draußen qualmt der Kohlegrill, man muss die Nudeln und den Salat mit Kräutern selber in die Suppe geben. Für mich kann man das Ganze deutlich besser mit Stäbchen essen als mit Messer und Gabel. Hieu bestellt auch noch vietnamesische Frühlingsrollen, dicker gefüllt, dafür aber mit wenig Fett in der Pfanne gebraten. Alles sehr lecker, aber alleine hätte ich mich hier sicher nicht auf die Kinderstühle an den Kindertisch gesetzt.

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Für mich ein sehr schöner Tag, den ich noch zusammen mit Sabine, über den Dächern der Stadt, in einem netten kleinen Restaurant, beschließe.

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