Das erste, was ich im Flughafen in Osaka beobachte, ist diese Mutter, die ihrer Tochter die Nintendo Switch Controller aus der Hand nimmt und sehr emotional an dem Boxkampf teilnimmt. Klischees sind doch was Tolles.

Nachdem wir schon in Taipeh Probleme mit dem Lesen und Entziffern der Schilder hatten, ist meine Erwartungshaltung für Japan dementsprechend. Allerdings alles kein Problem. Es gibt fast überall englische Informationen, manchmal etwas versteckt, aber dennoch vorhanden. Außerdem hatte ich schon von der japanischen Hilfsbereitschaft gehört und war daher wenig erstaunt, als uns gleich jemand vor den Schaltern der öffentlichen Verkehrsmittel am Flughafen anspricht. Ob er denn helfen könne, fragt er in einem etwas unverständlichen Englisch und stellt sich als Haruto vor. Selbstverständlich darf er. Es gibt Schalter in blau und in grün, zwei unterschiedliche Bahngesellschaften, wie er mir mitteilt. Wir gehen also zu den blauen Ticketautomaten, man kann sie auf Englisch umstellen, macht es aber nicht besser, es erscheinen, sehr klein, einige englische Erläuterungen zwischen den immer noch dominierenden Schriftzeichen. Haruto zeigt mir auf der nebenhängenden Karte die Station, an der wir aussteigen wollen, hätt ich schon mal nicht gefunden. Daran steht die Stationsnummer, die muss man dann beim Ticketkauf eintippen, zahlen, fertig. Haruto erzählt noch, dass er Chemielehrer an einer Highschool ist und hier sein Englisch aufbessern möchte.

Ich hatte schon einige retro-futuristische Züge im Internet gesehen, hier steht gleich einer am Nachbargleis. Ich glaube Sabine erstmal nicht, dass unser Zug schon am Abfahrgleis steht und daddle so lange mit solchen Fotos rum, dass wir es gerade noch so schaffen. Die Zugfahrt in die Stadt ist schön überirdisch und wir sehen uns japanische Vorstadt an. Der Bahnhof Osaka Station ist riesig und es dauert, bis wir zum Taxistand gelaufen sind. Gefühlt wär man da schon am Hotel gewesen.
Nach kurzer Pause, ich fühl mich immer noch angeschlagen, gehen wir noch zum Abendessen raus. Automatenrestaurant, wir sind ja schließlich in Japan.

Der Automat im Hintergrund funktioniert mit Bildern und etwas Schrift. Da wir unbedarft reinstolpern, kommt erstmal der Koch hinter der Theke hervor und erklärt uns den Vorgang im Allgemeinen und den Automaten im Speziellen. Wir bestellen mal optisch und sind gespannt, was kommt. Tee gibt es kalt und heiß schon mal so dazu. Essen ist auch lecker, Sabine kommt selbst mit den glatten, spitzen, japanischen Stäbchen klar. Man kann mit eingelegtem Ingwer und Sojasoße verfeinern. Alles sehr lecker.

Der Verkehr ist sehr angenehm leise. Ampeln funktionieren, alle scheinen sich sehr genau an Regeln zu halten. Alle? Nein! Die Radfahrer natürlich nicht. Es wird hier viel auf dem Bürgersteig gefahren. Keine Ahnung, was dieses Schild sagt, ich würd da aber eher nicht mit dem Fahrrad drüberfahren, juckt hier niemanden. Man lernt nie aus, Anarchie scheint hier Rad zu fahren, vorzugsweise Elektro.