Bayreuth

Bayreuth ist von Richard Wagner ja nicht wirklich zu trennen. Allerdings gab es vor Wagner auch schon Bayreuth und dieses hatte mit seinem inzwischen zum Weltkulturerbe zählenden Opernhaus einen weltweiten Anziehungspunkt. Fertiggestellt 1748 war es damals das größte Theater der Welt und mit seinem Konzept, innen hölzernes Theater, außen Sandsteinhaus, außergewöhnlich. Wie häufig in Bayern, ist es außen so gut restauriert, dass es wie neu aussieht. Das Beeindruckende liegt daher innen. Im Zuge der Weltkulturerbe-Restaurierung wurden die alten Farbschichten von 1748 von ihren Übermalungen und Rußschichten befreit und das Theater erscheint wieder im barocken, ursprünglichen Glanz. Dass es sich um eine reine Kulissenbaukunst aus viel Sperrholz handelt, sieht man erst beim näheren Hinschauen. Da hilft der Illusion die beschlagene Brille über der Gesichtsmaske sehr gut.

Richard Wagner hat sich dieses Theater angeschaut und für zu klein empfunden. Der geniale Schachzug der Stadt war es nun, ihm ein Grundstück zu schenken, auf dem das mehr als doppelt so große Festspielhaus entstand. Wir hatten in beiden Häusern eine Führung und es war sehr lustig anzusehen, dass es im Festspielhaus um Prominenz und Ansehen, im alten Theater jedoch um Architektur, Farben und Perspektiven ging.

Die Antisemitismus- und Dritte Reich-Geschichte des Grünen Hügels und der Familie Wagner wird eher zaghaft mit einigen Schautafeln außerhalb des Gebäudes neben der Büste Richard Wagners dargestellt. Eine Diskussion über die Inhalte von Wagners Opern, gerade hinsichtlich der aktuellen Rassismusdebatte findet leider nicht statt.

Die Stadt Bayreuth gefällt uns mit ihren Sandstein-Gebäuden und Kopfsteinpflaster-Straßen sehr gut. Wir sind noch mitten im Beertasting und bleiben noch einen Tag. Die durchaus interessanten Weisheiten des Jean Paul müssen wir noch erkunden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert