Gestern Nachmittag war ich ja sehr in den Touristentrubel geraten. Abends wollte ich erst auf dem Hoteldach im 10. Stock zu Abend essen, es war allerdings so dermaßen windig, dass mir draußen sitzen auf dem Hochhausdach gar nicht zugesagt hat. Zum Glück hatte ich vorher auf Google Maps einen gelben Bereich außerhalb der Turimeile ausgemacht. Daran stand, es handle sich um das Einkaufs- und Vergnügungsviertel, also bin ich da mal hin. Aus einem Hinterhof schallte Livemusik und ich rein. Nette Buchhandlung und scheint eine feste Bühne draußen zu haben, heute gabs funkiges. Bandleader mit 8-seitigem Bass hat große Ambitionen, Solo kann er aber nicht, als Band ganz gut. Ansagen auf Lettisch hab ich leider nicht verstanden, aber er schien zwischendurch ihre neue Platte vorzustellen.

Leider kam dann eine Lady mit einem Buch aus dem off, trank ein Weinglas von jemandem am Nachbartisch leer und lamentierte rum. Ich wollte mich raushalten und schaute in mein Handy, Zack hat sie mir die Brille geklaut. Nach einschreiten des Inhabers hatte ich sie dann zurück. Ziemlich blöde Situation ohne Brille dazustehen. War so sauer das ich die Veranstaltung verlassen musste. War aber nicht schlimm, musste ja eh noch was essen. Ich lande also in einem netten Restaurant und wurde gleich an drei Nachbartischen deutsch beschallt. Doch nicht ganz so local wie ich dachte das Viertel.

Ich beginne heute wo ich gestern aufgehört habe, zuerst besuche ich die orthodoxe Kirche und gehe dann noch mal durch das Shoppingviertel. Angesichts der vielen netten Eckhäusern mache ich deutlich zu viele Fotos, lasse mich auch weiter nach außerhalb treiben wo es eher unrenoviert aber trotzdem interessant ist. Habe auf dem Rückweg leichte Probleme mein Fahrrad wiederzufinden und muss mich von der orthodoxen Kirche wieder hinfinden.

Im Turiteil besichtige ich das Museum für die Geschichte Rigas. Hauptsächlich weil ich die Bilder vom Gebäude toll fand. Gebäude ist auch toll, Museum etwas staubig.

Draussen finde ich heraus das auch dänische Junggesellenabschiebe „Zicke zacke, heu heu“ toll finden, schnell wieder ins Hotel. Da kommt gerade ein Bus der Heavy Metal Reisen an, deutet auf eine lange Nacht.

Abends fahre ich auf meinem Weg zum Abendessen an der Stadtbibliothek vorbei, leider schließt sie Samstags um 18 Uhr. Das Gebäude ist beeindruckend, ich weiß nicht ob die offene Vase eine Bedeutung hat, es fließt ja die ganze Literatur aus.


Auf der anderen Flussseite sehe ich einen typischen osteuropäischen nach oben strebenden Bau ähnlich der Moskauer Universität. Also fahr ich über den Fluss mal hin. Fotomotiv ist ganz gut, sonst nix los.

Der Weg in die Stadt beschert mir doch wieder Livemusik aus einem Hinterhof, diesmal etwas progressiver und ich lande auf einem autonomen Gelände, Bühne, Bier und Pizzaofen, was will man mehr. Die erste Band ist gut, 4 Jungs machen Rock/Punk Gedöns.

Danach open stage, sehr local, auch mit anstrengenden local heros. Ich trinke Flaschenbier und freue mich ob des Lokalkolorits. Der rauchenden Feuerschale kann man kaum ausweichen, nach meinem Verständnis auch zu warm dafür. Die Kids grillen Marshmallows, ich habe immer noch nicht herausgefunden ob es einen main act gibt und wer es ist. Es laufen noch ein paar Gitarren rum die noch nicht auf der Bühne waren.

Ok, nächste Band mehr Gitarren lastig, ich bleib doch noch, langsam weiß ich auch welche Fangruppe zu welcher Band gehört. Das Mädel am Eingang verspricht mir noch 3 Bands, die letzte wär die beste, keine Überraschung, oder?
Der Hauptakt besteht natürlich aus dem buntesten Mädel des Abends und dem merkwürdigen Typ im dunkelgrünen Trainingsanzug. Mist, schlechte Coverband, der Typ muss auch noch ablesen. Trotzdem sehr schöne Veranstaltung.

Scheint mir mein längster Post auf dieser Reise zu sein. In der Stadt gibt es was zu erleben.