Hätte ich meine Tour nicht auch Donau nennen können? Bislang habe ich das Gefühl, seit Passau bin ich der Donau gefolgt. Aktuell sitze ich in Serbien an einem Kriegsmuseum, war kürzer etwas durch Serbien zu fahren. Ich dachte das Museum sei eines zu den Jugoslawienkriegen, muss aber lernen, hier hat die größte Schlacht des 2. Weltkrieges stattgefunden, ich kann gerade nichts dazu recherchieren, ich habe kein Internet in Serbien.

Zur Navigation habe ich die Apple Karten schon heruntergeladen, 5 GB für Bosnien, Montenegro und Albanien. Am Laptop dieses zu schreiben und gleichzeitig über digital detox nachzudenken ist etwas komisch. Es ist aber auch komisch nicht einfach den nächsten Podcast für die Fahrt zu starten oder genauer über diesen Ort zu recherchieren. Ungarn habe ich jetzt hinter mir gelassen, hat mir sehr gut gefallen dort. Die Menschen waren, außer beim Auto fahren, entspannt und freundlich. Hier in Serbien sieht es mir etwas ärmlicher aus. Viele Leute sind mit ihren Fahrrädern unterwegs, bepackt vom einkaufen. Ein Belarus Traktor schleicht vor mir her, Ostblock Autos an allen Ecken. Der Grenzer spricht mit auf „BVB Dortmund big final“ an, ein bisschen Smalltalk mit den Behörden. Mein letzter Besuch in Serbien war während der Abendstunden von Sofia aus. Die Kollegen wollten mal wieder viel Fleisch essen und selbstgebrannten Schnaps kaufen, beides deutlich preisgünstiger als in Bulgarien. War auch ganz lustig, da sich die grenznahen Ortschaften auf genau solche Besuche vorbereitet hatten. Hab damals, so weit ich mich erinnere, zu viel gegessen.

Jetzt habe ich die Donau wirklich verlassen, die letzte Brücke war die EU Außengrenze Serbien – Kroatien. Ich bin ganz gut rübergekommen. Die Grenzer haben ja immer die Ruhe weg. Der ältere Herr aus Belgien, vor mir, muss seine Dachbox öffnen, hätte ja ein Flüchtling drin sein können. Ich zeige mein Fahrrad und darf wieder rein.

Ich habe keine Lust noch eine Nacht in Kroatien zu verbringen und fahre daher durch bis Doboj in Bosnien. Die Fahrt geht an dem Fluß Bosnia entlang. Aus der eher flachen, landwirtschaftlichen Gegend wird eine hügelige, bewaldete. Mein spätes Mittagessen ist dann auch eher was für schwer arbeitende Malocher und ich schaffe kaum die Hälfte, Würstchen mit Zwiebeln und Bratkartoffeln, soll was lokales sein. Es ist schon deutlich ärmlicher als in Kroatien oder Ungarn. Strassen scheinen mir aber besser zu sein. Lese gerade das man das Leitungswasser nicht trinken soll, muss wohl dann mal einkaufen gehen. Die konvertierbare Mark ist die Landeswährung und entspricht genau der DM, hätte nicht gedacht das ich noch mal in die Mark umrechnen muss.

Über der Stadt thront das Fort von Doboj. Ein kleiner Anstieg nach dem Mittagessen tut gut und es ist schön windig bei 27 Grad. Der Rundblick zeigt mehr Moscheen als Kirchen, alles ziemlich neu gebaut, ich weiß doch wenig über das Land. Das Internet sagt 51% Muslime, 31% Orthodoxe, passt mit der Verteilung der Gotteshäuser.

Sehr schön das ich diese Webseite mit vielen Tipps über Bosnien gefunden habe, ich werde mich einfach danach richten und die nächsten Tage planen.
Bleibt mir noch das Bier des Tages: Nach dem Eisbecher auf meiner Hotelterrasse ein bosnischer Weißwein, lecker.
Gerade wundere ich mich wie wenig Alkohol um mich herum getrunken wird, es ist doch schließlich Freitag abend. Dann fällt mir peinlich berührt auf das ich den Kulturkreis hier nach westlichem Muster beurteile, geht ja mal gar nicht. Das in einem hauptsächlich muslimischen Land auch abends eher Kaffee, Wasser und Traubensaft getrunken wird muss ich ab sofort als selbstverständlich ansehen. Das hier super viel Geraucht wird, daran darf ich mich aber schon stören.