Kanada

2 Wochen sind wir jetzt in Kanada. Aber was haben wir von diesem Land gesehen, 2 Städte und das war’s. Kanada ist das zweitgrößte Land der Erde, fast 30 mal größer als Deutschland, hat aber weniger als die Hälfte der Einwohner. Das macht 3,5 Einwohner pro Quadratkilometer, in Deutschland sind es 226. Die großen Wälder und Weiten des Landes sind uns verborgen geblieben. In den Metropolregionen von Montreal und Québec leben ca. 4,2 Millionen Menschen, also mehr als 10 % der Gesamtbevölkerung.

Das Leben in Montreal war ähnlich betriebsam wie in einer deutschen Großstadt, hektisch in die U-Bahn, hektisch wieder raus. In Québec ist alles deutlich gemütlicher. Die Altstadt kann man gut zu Fuß erkunden.

Ich kann nur einige wenige Eindrücke des Lebens hier beschreiben. Die Sommer sind kurz, das Wetter ist recht gut. Die Zeit muss genutzt werden. Von November bis April kann Schnee liegen. Also müssen in der Sommerzeit alle notwendigen Bauarbeiten durchgeführt werden. D.h. man sieht sich auch vielen Baustellen ausgesetzt, gesperrte Straßen, Bauzäune etc., sieht manchmal nicht schön aus, aber man kann’s verstehen. Gleichzeitig wird die Sommerzeit zum Feiern genutzt. In Montreal werden die Fahrspuren der Autos etwas verschmälert, indem man Holzterrassen auf die Straßen zimmert und damit den Restaurantbereich vergrößert. In Québec wird eine Straße, die von netten Cafés und Restaurants gesäumt ist, abends kurzerhand zur Fußgängerzone umfunktioniert und die Bürgersteige werden zu Terrassen. (Am Abend nach dem Attentat von Barcelona stand an jedem Ende dieser Flaniermeile ein schützendes Polizeifahrzeug, 2 Tage  vorher war davon noch nichts zu sehen.) Man vergnügt sich draußen, es gibt jede Menge Live-Musik, Kleinkunst und auch mal ein Feuerwerk.

Eigentlich wollte ich mit dem Schiff auf dem St. Lorenz-Strom von Montreal nach Québec fahren. Das ist als Linienfahrt nicht vorgesehen. Also haben wir den Zug genommen. Zugfahren in Kanada, zumindest von einer großen Stadt zur anderen ist ein bisschen wie fliegen. Man checkt am Bahnhof ein, gibt sein Gepäck ab, was sehr komfortabel ist. Jan’s Koffer hat 200 g Übergewicht, auch hier gilt die Grenze von 23 kg, macht nichts, der Koffer darf so mit. Der Weg zum Gleis wird nur zum Einsteigen geöffnet, ist ähnlich ungemütlich wie die Schleusen zum Besteigen eines Flugzeugs. Die Zugfahrt selbst war ähnlich wie in Deutschland. Der Herausforderung, einen Zug fahrgastfreundlich zu klimatisieren, hat man sich auch hier noch nicht gestellt.

img_1013.jpg

In Québec sind wir mit dem Bus gefahren. Auffallend ist, dass sich Busfahrer und Fahrgäste recht freundlich begrüßen und die Fahrgäste sich oftmals mit einem kleinen Dank verabschieden. Das finde ich eine nette Geste.

Ansonsten gibt es besonders in Québec überall jede Menge Bänke auf Plätzen und an der Promenade. In München hat man im letzten Jahr im Innenstadtbereich um den vielbesuchten Marienplatz ca. 50 „öffentliche“ Sitzplätze eingerichtet und dies als große Errungenschaft in den Medien kundgetan.

Nimmt man in einer Bar oder einem Restaurant Platz, bekommt man mit der Speisekarte ein Glas Wasser gereicht. Am Flughafen in Toronto gab es Wasserzapfstellen, an denen man nach dem Check-In seine eigene Wasserflasche auffüllen konnte. Ähnliche Wasserstellen findet man immer mal wieder in Parks und auf Plätzen.

Was ich damit sagen will, ist, dass man die Verfügbarkeit von Wasser hier offensichtlich als eine Art Grundversorgung versteht, anders als in Deutschland, wo man beispielsweise an Flughäfen oder in Restaurants Wasser sehr teuer kaufen muss. Und so erscheint es mir auch mit den Sitzplätzen im öffentlichen Raum. Zumindest in der Münchner Innenstadt kann man einen Sitzplatz und Wasser zumeist nur gegen Bezahlung bekommen.

img_1261.jpg

Heute morgen noch saßen wir gerade auf eigentlich Hamburger Stühlen vor einer Kirche gegenüber unseres Appartments in der Sonne, als ein junger Mann uns befragen wollte, wie wir den Platz fänden. Er hat uns erklärt, dass die Gestaltung in diesem Jahr in dieser Art  zum ersten Mal so stattgefunden habe und hat uns auf die Besonderheiten aufmerksam gemacht, die wir bis dahin noch nicht wirklich zur Kenntnis genommen hatten. Es gab farbig angestrichene Sitzflächen zusätzlich zu den Holzbänken und eine kleine Gartenfläche mit Nutzpflanzen, die von Freiwilligen gepflegt wird. Man möchte, dass dies ein Treffpunkt für Bewohner des Viertels aber auch für Gäste wird. Die Frage, ob es schön wäre, wenn der Platz auch in den nächsten Jahren eine solche Nutzung erfahren würde, haben wir brav mit ja beantwortet. Einziger Kritikpunkt von Jans Seite: kein freies Internet. Typisch Jan. Also auch hier ist Stadtplanung ein Thema.

img_04121.jpg

Adieu Canada.

 

 

 

2 Kommentare zu „Kanada“

  1. Bin gerade von unserem Kalifornien Urlaub zurück. Das kostenlose Wasser, die vielen Plätze mit GartenStuhl und Sonnenschirm und das Thank you beim Verlassen eines Busses have ich in L. A. genauso erlebt und auch genossen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert