Gestern war ich doch etwas genervt, umgeschickt zu werden konnte ich noch nie haben. Abends habe ich dann herausgefunden dass ich von Bernat aus einen Wasserfall und die tiefste Schlucht Europas anschauen kann. Hört sich doch gut an. Da ich der einzige Gast in meinem Gasthof war, kriege ich sehr minimalistisches Frühstück. Vielleicht muss ich für die nächste Nacht mal wieder etwas mehr Geld ausgeben. Es sind um 9:30 schon knackige 27°, ich hoffe das die Schlucht abkühlt.

Meine Fahrt führt mich exakt die selbe Strasse lang, die mich gestern nicht gemocht hat. Erst nach einer Stunde Fahrt, führt sie etwas anders. Eine Stunde hört sich viel an, waren aber nur 45 km. Die albanischen Straßen sind nicht schlecht, sie schlängeln sich aber hier in den Bergen immer am Hang lang, ohne Brücken. Daher muss man entweder sehr langsam fahren oder sehr aufmerksam, beides anstrengend.

Als erstes gehe ich eine kurze Strecke zu dem Wasserfall. Es sind gar nicht so viele Autos auf dem Parkplatz, den Albaner der mit seinem Minibus scheinbar Pause, macht beachte ich gar nicht. Auch auf dem Weg ist nicht viel los und die maroden Brücken, die ich auf Komoot gesehen habe, wurden durch Betonröhren und Brücken ersetzt, schade. Als ich am Wasserfall ankomme, wird mir schlagartig klar dass der Albaner seine ganze Busladung hochgeschickt hatte. Das ist mir dann doch zu voll und ich mache ein paar Fotos und verabschiede mich gleich wieder.

In Bernat gab es organisierte Touren zu kaufen, mit Badestops und lokalem Führer, genau was ich nicht wollte. Der Wasserfall ist ganz nett aber hat nicht so viel Wasser, da daneben eine dicke Wasserleitung raufführt, die wahrscheinlich den Ort mit Wasser versorgt, wurde gerade viel geduscht. Auf dem Rückweg kommt mir der Augsburger mit seinem Duster entgegen, er scheint als einziger nicht zu verstehen wo man parken sollte. Er war mir durch komische Fahrweise schon vorher aufgefallen und verpestet hier die Natur.

Ich setze mich wieder in mein Auto und fahre zur Schlucht. Die Strasse führt oberhalb der Schlucht entlang und man kann ab und zu mal ein paar Felsen erahnen. Ich versuche ein paar mal anzuhalten, es gibt aber, wegen der schmalen Strasse, kaum Haltemöglichkeiten und wenn dann sieht man wenig von der Schlucht. Ich weiss das irgendwann eine Brücke kommt, traue mich aber beim ersten vorbeifahren an der Abfahrt nicht runterzufahren. Im weiteren hört die Schlucht auf und man könnte zum Wasser runter, man kann nur auch hier nicht halten. Also umdrehen und zur Brücke fahren. Toller Blick in die Schlucht.

Ich müsste 2 km den Fluss hochfahren um dann 2 km wieder runterzulaufen. Hab ich keine Lust zu. Also schaue ich mir noch mal genau meine gespeicherte Komoot Tour an, gar nicht weit von hier scheint sie am Fluss zu enden. Ich parke etwas entfernt von dem Punkt wo sie die Straße verlässt. Der Weg zieht sich recht lang in die Schlucht runter, ich glaube noch nicht wirklich daran unten anzukommen, schaffe es aber doch. Die Felswand gegenüber ist wirklich beeindruckend. Ein weiterer mutiger ist da, sieht mich aber etwas irritiert an, tja, nicht länger alleine. Er macht sich Flussabwärts davon.

Besser gehts doch nicht, ohne Ahnung hergekommen, den Abstieg an einer sehr tiefen Stelle gefunden. Auf jeden Fall besser als der Wasserfall mit seinem Auflauf.

Was nun? Ich habe keine Lust auf eine zweite Nacht in Berat, also fahre ich durch nach Gjirokaster, einmal raus aus den Bergen, Richtung Küste, etwas Autobahn mit 100 km/h und dann wieder rein in die Berge. Um 17:30 bin ich da. Etwas erledigt aber nach einem vergeblichen Versuch dann doch geschafft.

Ich habe die Burg als Ziel eingegeben und die Straße wird zunehmend steiler, wenn ich das gestern nicht schon in Berat so gesehen hätte würde ich hier nicht rauffahren. Als ich das Gefühl habe es geht nicht weiter, halte ich an dem nächsten Hotel und nehme dort ein Zimmer. Ich bekomme ein Zimmer unterm Dach angeboten, die Wirtin mein, es sei etwas niedrig für mich. Die Spanier mit denen ich zusammen angekommen bin, können sich nicht entscheiden und gehen weg, ihr Englisch war etwas ruppig und unfreundlich. Die Wirtin bietet mir gleich ihr Zimmer an, für 5€ extra.

Ich sage ich würde mich jetzt als VIP fühlen. Ihre Antwort ist dass ich mir mal ihre Suite anschauen sollte. Ok, doch nur 2. Klasse.

Ich schaue mir noch die Burg,

das etwas zerbröckelt Aquädukt

und die Altstadt an. Irgendwie genug für heute.