Heute fahren wir über einen fast 5000m hohen Pass in das Colca Tal, um dort in 3600m Höhe zu übernachten. Ganz normale Höhen für den Altiplano, trotzdem anstrengend, gerade wenn man mit dem Bus gefahren wird und sich nicht wirklich akklimatisieren kann. Die Hochebene in den Anden wird uns die nächsten Tage beherbergen, der Titicacasee See liegt noch etwas höher.
Armando hat uns um halb acht eingesammelt und wir sind raus aus der Stadt, am Flughafen vorbei zum Highway 34a, der bis zum Titicacasee führt. Der schicke und historische Teil Arequipas weicht hier den einfachen Wohnvierteln. Armando bezeichnet den Zuzug in die Stadt als Invasion. Junge Leute kommen in grosser Zahl aus den Dörfern in die Stadt, um ein besseres Leben zu führen. Durch Landnahme werden dann neue Stadtviertel am äußeren Ende der Stadt wild gebaut. Einfache Häuser, teilweise Hütten, keine Kanalisation, Wasser oder Strom machen aus dieser Chance auf ein besseres Leben schnell eine Sackgasse. Nur wer als Tagelöhner Geld verdient, hat die Möglichkeit, das neue Viertel zu verlassen oder auszubauen. Je näher die Viertel zur Stadtmitte sind, desto weiter fortgeschritten sind sie. Die Häuser werden mehrgeschossig, die Straßen sind geteert. Weiter draußen dann Ziegelwände, Wellblechdächer, maximal Schotterstraßen.

Wirkliche Arbeitsverträge mit Krankenversicherung und evtl. Rente gibt es sehr wenige. Nur 20% der Peruaner leben so. Alle anderen sind entweder selbstständig mit einem Handel oder Geschäft, oder arbeiten befristet ohne Vertrag und Sozialleistungen. Die Korruption trägt ihren Teil dazu bei, dass es nicht besser wird.
Armando bemängelt auch, dass die Stadt ihre Grünflächen verliert. Die reiche Elite Perus kann es sich leisten, die sehr teuren privaten Grünflächen zu erwerben und diese zu bebauen. Er nennt das ebenfalls Invasion.
Sobald wir Arequipa verlassen haben, wird klar, wie groß und leer Peru eigentlich ist. Endlos zieht sich der Highway den Berg hinauf, alles liegt deutlich über der Baumgrenze, es wächst ein wenig Andengrass auf sehr steinigem Boden. Leben scheint hier nicht möglich.

Nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir dann die Hochebene, 3500m. Die tierischen Bewohner der Hochebene fühlen sich erst ab dieser Höhe wohl und sind weiter unten nicht anzutreffen. Es handelt sich um 4 Kamelarten, Lama und Alpaka sind domestiziert, Vicuña und Guanako sind wild lebend. Letztere werden einmal im Jahr eingefangen, um sie zu scheren ansonsten, leben sie frei.

Heute war dann auch das erste Mal, dass ich eine richtige Fotoausrüstung vermisst habe. Solch ein iPhone ohne Zoom hat halt seine Grenzen. Das Foto zeigt den ersten Eindruck der Hochebene, dem aktiven Misti Vulkan im Hintergrund und den Vicuña als Suchaufgabe.
Dann halten wir allerdings an einer zahmen Lama- und Alpakaherde. Das Fotografieren ist hier nicht wegen der Entfernung schwierig, sondern wegen der Selfie-machenden Touristen. Also das Lama.

Und das Alpaka.

Wie immer bei solchen neuen Dingen, es werden diese Tiere ja schließlich gezüchtet, da sollten ja noch mehr da sein.

Schließlich erreichen wir den Pass, meine höchste Höhe bisher, 4910m, mein GPS zeigt 50m weniger an, egal. Es windet schon ein bisschen. Wie schon den ganzen Tag werden auch hier die Touristen mit lokalen Produkten versorgt. Sabine hat mir gerade vorgelesen; „Chivay, wo Brauchtum & Tourismus geballt aufeinandertreffen“.

Nach einer rasanten Abfahrt von 1300m sind wir in Chivay im Hotel angekommen, das Gewitter startet gerade durch, sieht nach Schnee im Regen aus.