Bröckelnde Anden

Diesmal sind wir die Anden von Osten aus angegangen. Aus unserem Hotelzimmer im 6. Stock haben wir einen schönen Blick auf die ersten Hügelketten und, wenn die Fernsicht mitspielt, auch auf einige schneebedeckte Gipfel. Ich hatte schon vor Ankunft in Mendoza von einer schönen Wanderung am Aconcagua gelesen. Als wir uns jetzt näher damit beschäftigt haben, sehen wir, eine Eintageswanderung bringt dich nicht wirklich näher an den Berg. Wen der Berg wirklich interessiert, hier gibt es eine Beschreibung des Normalweges.

Wir haben uns für eine Bustour mit Reiseleiter entschieden, kann man in jedem Hotel buchen, man sollte aber auf einen englischsprachigen Führer bestehen. Marta hat uns sehr gut gefallen, hat das ganze humorig und locker gemacht.

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Der Ausflug dauert 11 Stunden und führt uns einmal bis zur chilenischen Grenze im Tal des Mendoza Flusses aufwärts bis auf 3.200m. Ich hatte eigentlich kein deutlich anderes Bild der Anden als in Peru erwartet und mich daher auf den Aconcagua gefreut. Ist immerhin der höchste Berg außerhalb Asiens, sprich nur der Himalaya ist höher. Also sehen wir den höchsten Gipfel Amerikas bzw. der Südhalbkugel. Am Ende waren wir dann aber, wie ich schon befürchtet hatte, noch weit weg vom Berg, hatten aber dafür einen freien Gipfel und gute Fernsicht.

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Das Massiv wirkt sehr beeindruckend und mit den 2 Gipfeln und dem Gletscher darunter sieht es schwer nach Hochgebirge aus. Hoffen wir mal, dass unser Flug nach Santiago de Chile bei ähnlichen Verhältnissen stattfindet, um ihn mal ganz zu sehen. Das war aber nur der Pflichtteil und das mit den bröckelnden Anden hab ich ja auch ernst gemeint.

Die Anden schmelzen. Einerseits wegen des Klimawandels, andererseits wegen des Alters, in dem sie sind.

Klimawandel; Marta klagt über die letzten schneelosen Winter, der niedrige Stand des Stausees zur Bewässerung des Weines zeigt es auch deutlich. Ob das Skigebiet, in dem wir kurz den Sessellift nahmen, im Winter wirklich öffnet oder komplett auf Sommerbetrieb umstellt, wissen wir nicht. Es soll hier aber mal mindestens 4 Meter Schnee gegeben haben, im letzten Winter keinen.

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Das Alter; der ständige, hohe Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht hat das Gestein mürbe gemacht. Wenn man sich die Bilder oben genauer anschaut, fließt ein stetiger Geröllstrom aus den Spitzen heraus. Gibt es natürlich auch in den Alpen, da wird das Ganze aber von Vegetation bedeckt und ist nicht so sichtbar. Hier ist alles wirklich trocken und selbst in den Hügeln vor Mendoza auf ca. 700 Metern wachsen nur niedrige Büsche. Die Erosion schafft bizarre Felsformationen, die ich hier nicht erwartet hätte. Sabine kommt es wie eine Röntgenaufnahme beim Zahnarzt vor, hoffen wir mal, dass es dort nicht auch so zerbröselt.

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Die Anden scheinen hier sehr mineralreich zu sein. In Peru haben wir ja einiges an Bergbau gesehen, hier dagegen gar nicht. Liegt vielleicht auch daran, dass die verschiedenen Mineralien sehr eng beieinander zu liegen scheinen. Jedenfalls haben die Berge eine enorme Farbvielfalt. Braun- und Grautöne werden da immer wieder durch Rost-, Grün und Lilafarben unterbrochen.

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Für mich ein ganz besonderes Tal, wir können uns an den Farben gar nicht sattsehen.

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