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Auf halbem Weg liegt das Uspallata Tal mit gleichnamigen Dorf. Es ist ein Hochtal, welches einmal von einem See bedeckt war. Nachdem die natürliche Felsbarriere gebrochen ist, blieb eine dicke Sedimentschicht übrig, die das ganze Tal eben macht. In diese Sedimentschicht hat sich der Fluss ein neues Bett gegraben und formt eine riesige endlose gerade Wand, die die Dicke der Schicht zeigt.

Ein Naturkunstwerk, das etwas nach Baggerarbeiten aussieht, sich aber über Kilometer hinzieht. Das Tal ist eigentlich auch eine Wüste, allerdings bildet der Ort eine grüne Oase inmitten der Ödnis.

Dazu sind allerdings große Bäume nötig, um die starken Winde von den bewässerten Flächen fernzuhalten. Daher gibt es auch keinen Wein oder Obstbäume, sondern eher Getreide und Viehzucht. Während der Kaffeepause stellt uns Marta Kai vor. Wir hatten verraten, dass wir Deutsche sind und so war es ihr wichtig, dass wir Kai kennenlernen, der genau an dem Café ein Halbedelstein- und Kettengeschäft hat.

Er kommt aus Hamburg und hat in den 90ern an der Humboldt Politikwissenschaften studiert. Also, genug Gesprächsstoff für einen Kaffee. Sabine holt ihn netterweise und Kai und ich schwatzen über Berlin in den 90ern, billiges Wohnen im Osten, letzter Bewohner im Abrisshaus zu sein und natürlich über das Leben in einem 5000 Seelen Dorf in Argentinien. Er lebt hier seit 2004 mit seiner argentinischen Frau und kann sich eine Rückkehr in die deutsche Hektik nicht wirklich vorstellen. Die argentinischen Verhältnisse hat er inzwischen akzeptiert, dass auch mal was unbürokratisch läuft, findet er gut. Das Auf und Ab der Wirtschaft ist halt so, schließlich hätte Argentinien ungefähr die Wirtschaftskraft von Microsoft und damit könne man keine großen Sprünge erwarten. Wie gesagt, sehr nett.
Dann geht’s weiter, als nächstes halten wir an der Puente del Inca. Hört sich ja nach einer von den Inca gebauten Brücke an, war’s aber gar nicht.

Die heißen Quellen produzieren vielmehr eine Menge Mineralien im Wasser, welche sich auf dem Gestein ablagern. Das ehemalige Thermalbad ist schon fast komplett überdeckt, die Treppenstufen schon fast eine ebene Bahn. Auch hier finden sich wieder ganz unglaubliche Farben.

Im gesamten Tal begleiten uns die Schienen einer Schmalspurbahn, die allerdings seit 1984 eingestellt ist. Verständlich angesichts der Erdrutsche, die es hier gibt und den teilweise sehr ausgesetzten Stellen der Schienen. Außerdem schien mir die Steigung zwischenzeitlich sehr groß zu sein. Da der Fluss ziemlich durchs Tal mäandert, ist die Schienenführung abenteuerlich.

Im Bereich von großen Schneehöhen sieht man die Reste eines Überbaus, der die Schienen über Kilometer schneefrei halten sollte.

Wir fanden es sehr schade, dass die Bahn nicht mehr betrieben wird und uns hätte der Ausflug im Zug sicher gefallen.
Die Fahrt endet vor dem Tunnel, der Argentinien mit Chile verbindet. Die Grenze definiert sich hier anhand der Wasserscheide. Alles, was in den Atlantik fließt, ist Argentinien, alles, was in den Pazifik fließt, ist Chile. Da vom Aconcagua nur ein Fluss in Richtung Atlantik fließt, gehört er komplett zu Argentinien.
Wirklich schöner Tag.
