Es ist schon mehr als 10 Jahre her, dass ich einen Artikel über Pablo Neruda und sein Haus in Isla Negra aus der ZEIT ausgeschnitten habe. Gott sei Dank habe ich ihn all die Jahre aufbewahrt und vor Beginn unserer Reise auch tatsächlich wiedergefunden und daran gedacht, ihn mitzunehmen. Ein Foto zeigt den Dichter mit einem kleinen Jungen.

Allerdings habe ich am Tag unseres Besuchs überhaupt nicht an den Inhalt des Artikels gedacht. Erst am Abend habe ich nochmal nachgelesen. Der kleine Junge auf dem Foto, das von ca. 1960 sein mag, war damals 10 Jahre alt. Pablo Neruda hatte sich mit ihm angefreundet und hätte ihn gerne adoptiert, aber eine Tante war dagegen. Enrique, so sein Name, besuchte den Dichter oft und es war ihm immer ganz wichtig, dass die häusliche Ordnung dort eingehalten wurde. Das mag der Grund dafür sein, dass er auch 2004 noch, als der ZEIT-Artikel entstand, dort als Aufsicht tätig war. Ich wollte wissen, ob er 13 Jahre später immer noch dort arbeitet und wir sind ein zweites Mal zu diesem Haus in Isla Negra gefahren. Ich habe nach Enrique gefragt und wie selbstverständlich kannten ihn alle. Man führte uns in seinen Raum und stellte uns auch einen jungen Mann zur Seite, der dolmetschte. Für mich war es ein toller Augenblick, einem Menschen zu begegnen, der Pablo Neruda persönlich gekannt hat.

Meine wichtigste Frage war, ob der Dichter nett gewesen sei. Und Enrique lobte ihn sogleich in den höchsten Tönen. Er konnte sich auch an den Tag der Aufnahme erinnern, sein Gesicht habe gebrannt von der Sonne, Pablo habe ihn mehrmals gebeten zu lächeln, er habe aber nur stocksteif mit versteinertem Gesicht posieren können. Enrique ist sehr sympathisch und lebendig.
Er schreibt derzeit ein Buch mit dem Foto der beiden als Titelbild. Die ZEIT-Journalistin Karin Ceballo Betancur soll sich bereit erklärt haben, die deutsche Übersetzung vorzunehmen. Darauf freue ich mich jetzt schon.