Tagelang waren wir von Talca nach Valdivia unterwegs und sind von einer deutschsprachigen Unterkunft zur nächsten gefahren. Es war sehr interessant, so viele deutschsprachige Europäer zu treffen, sei es als Touristen oder als Hotelbetreiber.
Zuerst waren wir bei Franz, davon hatte Jan schon erzählt.

Dort arbeitete eine Praktikantin aus Hannover und eine aus Frankreich. Wir haben dort Evi und Kalle aus Berlin kennengelernt.

Sie wollen über Weihnachten ihre Tochter in Buenos Aires besuchen und sich vorher Chile anschauen. Kalle hat mit dieser Reise dann 100 Länder besucht. Das ist sehr viel. Mit Evi hat er früher Afrika mit dem Rad bereist. Für Evi sind die afrikanischen Länder immer noch die schönsten.
Weiter im Süden übernachten wir in der Suizandina, wie der Name schon sagt, die Schweiz in den Anden. Und so ist auch am ersten Abend einer der Tische in der gemütlichen Holzhütte mit einer rot-weiß-karierten Tischdecke gedeckt. Die Schweizer, die seit 18 Monaten unterwegs sind, brauchen Heimatgefühle. Sie essen Käsefondue. Wir nehmen Rösti mit Churasco (dünn geschnittene, lecker gebratene Rindfleischscheiben). Ich stelle eine fatale Frage. Ob sie immer im Jeep übernachtden oder etwas Ähnliches. Wie aus einem Munde verbessern sie mich. Das ist ein Land Rover, den sie liebevoll Ländi nennen.

Jan erklärt mir den Unterschied, ich verstehe. Elvira und Ruedi sind Rentner und wollen in 2 Jahren die Panamericana abfahren. Die meiste Zeit fahren sie aber wohl auf kleinen Wegen abseits und erkunden die Naturschönheiten von Nord- und Südamerika, die Städte meiden sie. Sie haben ihre Reise nur kurz für 2 Wochen unterbrochen, um zur Hochzeit ihres Sohnes zu fliegen und den Enkel kennenzulernen. Jetzt sind sie wieder unterwegs. Jan fragt, ob sie nicht vielleicht auswandern wollen, weil sie sehr von den südamerikanischen Ländern schwärmen. Ruedi winkt ab: „Das hatten wir schon in den 70-ern. Da haben wir in Johannesburg gelebt, bis die Aufstände anfingen.“
Am Nachbartisch sitzt zunächst einsam ein weiterer Schweizer aus Luzern. Allmählich nähert er sich und schließlich sitzen wir zu sechst am Tisch und tauschen unsere Reiseerfahrungen und -pläne aus. Die 3 Praktikantinnen in der Suizandina kommen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Man hört nur deutsche Unterhaltung.

Am letzten Morgen ist beim Frühstück ein Pärchen, das in München lebt. Sie entfliehen alljährlich dem deutschen Weihnachtsrummel und hängen ihre Marzipankugeln dann schon mal gerne an einen Kaktus in der Atacama-Wüste.
Ganz in der Nähe gibt es noch das Hotel Andenrose, das von einem Bayern betrieben wird. Er hockt gerade im Pool und reinigt ihn. Die Saisonvorbereitungen laufen auf Hochtouren. Zimmer für uns hat er keine mehr.
In Pucon schauen wir noch am Landhaus San Sebastian vorbei, sehr nettes, ruhiges Hotel, etwas ab vom Schuss. Dieses Haus betreiben 2 Deutsche, die seit 20 Jahren in Chile leben. Die Praktikantin kommt aus Berlin, eine andere Mitarbeiterin, die uns Streuselkuchen bringt, kommt aus der Schweiz, arbeitet hier für 2 Monate, um ihre weitere Reise zu finanzieren.
Es gibt unzählige Möglichkeiten zu reisen. Schön, dass wir einige Varianten kennenlernen.
In Valdivia liest man sehr viel deutsch, aber gesprochen wird es wohl weniger.
Am bewölkten Llanquihue-See angekommen, führt uns Rolf zum Block House.

Zwei deutsche Motorräder stehen vor dem Holzhaus direkt am See, NF und HEI sind die Kennzeichen. Uwe kommt von Föhr und hat diese Unterkunft gebaut. Peter ist heute Morgen zufällig hier vorbeigekommen und bleibt über Nacht. Es scheint mir so, als würden die beiden die ganze Welt kennen. Sie haben schon sehr interessante Geschichten erzählt und der Tag hat noch ein paar Stunden …
