Wir fahren mit der Fähre auf die Insel Chiloé. Rolf findet, dass hier Patagonien anfängt. Ich kann das gut nachvollziehen. Das Klima ist plötzlich viel rauer. Die Sonne scheint, dann ziehen dicke Wolken auf, es regnet und dabei ist es nicht allzu warm. Aber mit dem Wind ziehen die Regenwolken auch schnell weiter und machen der Sonne wieder Platz. Mich erinnert die Witterung an Norwegen. Auch die Häuser in Ancud mit den verschiedenen Holzschindelformen haben etwas Skandinavisches. Der ganze Ort wirkt wie eine Versorgungsstation, bevor man in verlassene Gegenden fährt. Besonders am Tag vor Weihnachten herrscht reges Treiben und die Kleinbauern bieten auf den Straßen ihre frischen Gartenprodukte an.

Unsere Unterkunft nehmen wir im Hostel eines Schweizers, der selbst nicht da zu sein scheint. Hier treffen wir zwei holländische Frauen, die sich auf ihren Touren die Vogelwelt erklären lassen und ein junges Pärchen aus Berchtesgaden, das einsame Wanderwege sucht. Eine dreitägige Trekkingtour im Süden Patagoniens haben sie vorzeitig abgebrochen, weil ihnen nach 4 von 30 Flussdurchquerungen das Wasser zu hoch und zu kalt geworden war.
Wir wollen uns die Pinguinkolonien auf den vorgelagerten Inseln anschauen. Bevor wir den festen Sandstrand befahren, müssen wir auch einen kleinen Fluss durchqueren. Die Boote liegen alle im Wasser. Bestimmt muss man Gummistiefel anziehen, denke ich so vor mich hin. Aber nein, die Anbieter haben kleine Wägelchen gebaut, mit denen die Touristen trockenen Fußes zu den Booten gezogen werden.

Der Mitarbeiter an der Hostelrezeption war sich nicht sicher, ob die Boote wegen des starken Wellengangs überhaupt rausfahren würden. Sie fahren, schon geht unsere Fahrt los. Das Boot wackelt ziemlich hin und her, es fängt an zu regnen, mir ist es sehr kalt. Vor den Inseln brechen sich hohe Wellen, so dass das Boot nicht sehr nah heranfahren kann. Die Pinguine sind recht klein und sie scheinen Regen auch nicht zu mögen. Manche stellen sich an kleinen Felsvorsprüngen unter. Ein chilotischer Führer erklärt auf Spanisch, welche Tiere hier sonst noch leben.

Sehr zahlreich vertreten sind Möwen. Aber die kann auch am Strand sehen. Ich glaube, die Menschen sind sehr stolz, dass hier ein paar Pinguine leben, die sie den Touristen für etwas Geld gerne zeigen.

Mir war das etwas wenig. Sollten wir nach Südafrika kommen, schaue ich mir Pinguine gerne am Strand an. Es macht Spaß, Tiere zu beobachten. Aber dazu brauche ich etwas mehr Zeit und Ruhe.
