Rolf hat noch einen ganzen Packen an Wanderungen dabei. Uns läuft ein wenig die Zeit davon, also machen wir eine einfach aussehende Wanderung mit versprochen guter Aussicht auf drei Vulkane. Ihr merkt schon was, die Vulkane zeigen sich uns ja nur widerwillig. Aber wir haben noch nicht aufgegeben. 80 km in den Nationalpark fahren, davon nur 15 Schotter ist für uns eher nix, daher sind wir schon um 11:55 fertig zum losmarschieren. Die Dame am Parkeingang hat gesagt, dass die ganze 7 km Wanderung etwas ambitioniert ist für solche Spätstarter wie uns, wir geben aber die Hoffnung noch nicht auf, das Wetter ist auch deutlich besser als vorhergesagt, wir hoffen auf lichte Momente am Nachmittag.
Der steile Pfad bergauf führt durch Südbuchen und Bambuswälder. Der Bambus wird hier nur 4-5 cm dick, daher bildet er den Tunnel unter den Buchen.

Mein Problem mit dem südamerikanischen Bewuchs ist, dass ich nie weiß, welche Bäume stachelig sind und welche Büsche weh tun. Daher piekst mich mancher Busch und Baum noch ordentlich, der Bambus ist sehr hart und sticht schon mal ins Auge, man muss vorsichtig sein. Der Weg ist aber gut, wenn auch etwas steil angelegt. Rolf hatte mir nicht verraten, dass wir hier mal eben 1000 Höhenmeter machen.

Wir steigen 2 Stunden durch den Bergwald auf, dann auf einmal ein freier Rücken, Wiese, wir flaxen, dass uns Rinder jetzt auch nicht wundern würden, es waren aber keine da. Stattdessen ein schöner feiner Regen mit ordentlich Wind von der Seite. Muss ich doch glatt den Regenüberzug meines Rucksackes einweihen. Wir stapfen durch knöchelhohes Gras, das Wasser läuft mir schön in die Schuhe.

Die Schweizer, die uns begegnen, sind auf dem Rückweg, ihnen war der Wald zu langweilig, die Aussicht zu schlecht, wir gehen unverdrossen weiter, ne Stunde geht bestimmt noch. Die Aussicht ist zwar nicht da, allerdings wachsen hier oben wieder Araukarien, im Nebel sehen sie wirklich gut aus und verschönern zumindest die nicht vorhandene Fernsicht.

Im Wald nach der stürmischen Wiese trocknen wir wieder etwas. Die Pause mit ein paar Schokokeksen, wie immer, ist ganz willkommen. Allerdings sind wir kurz vorher einen ziemlich senkrechten, erdigen Pfad hochgerutscht und beschließen, anderthalb Kilometer vorm Ziel wieder umzudrehen. Gute Entscheidung, wir fühlen uns aber noch frisch und nehmen den Rundweg, den wir auf dem Hinweg verschmäht haben, noch mit. Falsche Entscheidung, wir müssen durch nasse Büsche und viel Gras, meine Wanderhose trocknet zwar schnell, ist aber genauso schnell auch durch nass, meine Schuhe ebenfalls. Trotzdem, toller Wald, toller Nebel.

Sabine fragt, was uns das denn so bringen würde, wir sagen „Spaß“ und ernten Missverständnis, sind aber sehr zufrieden mit uns.

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