Ich brauche immer ein paar Tage in Indien, um mich wieder an die Gegebenheiten zu gewöhnen. Hier im Süden ist es natürlich erstmal auch Indien, aber dann doch sehr anders als im Norden. Die Müllberge auf unbebauten Grundstücken sind sehr massiv, die prächtigen Farben der Menschen, der Natur und der Tempel machen es wieder etwas wett. Mir erscheint es deutlich bunter. Trotzdem leben viele Menschen auf der Straße. Wäsche wird häufig an öffentlichen Wasserhähnen gewaschen und schon einmal auf einem Stein ausgeschlagen. Schlimm sind allerdings die Feuer, gefüttert mit Müll, auf denen einige Inder ihr Essen oder die Wäsche zu kochen scheinen. Der Qualm ist wirklich unerträglich und brennt stark in den Augen und im Hals. Wir hatten in den 70ern eine Müllkippe im Wald nahe unseres Dorfes, da roch es manchmal ähnlich, ist aber schon etwas her.

Das Besondere an Pondicherry ist natürlich der lange Einfluss der Franzosen. Die Stadt profitiert durch ihre eher breiten Straßen, Parks und Kirchen noch heute davon. Es scheinen auch noch viele Franzosen hierher zu kommen, neben Englisch und dem lokalen Tamil, die häufigste Sprache, die ich höre. Die Europäer fallen mir im Straßenbild sehr auf. Die richtigen Touristen bewegen sich, wie wir, eher vorsichtig. Durch die Bewohner von Auroville gibt es aber Unzählige, die hier permanent leben. Die Mutigsten sind auf einem Mountainbike oder einem normalen Fahrrad unterwegs. Andere auf Mofas und Motorrädern. Haupt-Fußbekleidung sind Ledersandalen oder Flip Flops, auch barfuß ist gefragt.

Die Straßen, die wir fahren, sind sehr gut. Der Ministerpräsident war zum 50-jährigen Bestehen von Auroville hier und im Vorfeld wurden alle Straßen, die er benutzt hat, schön neu geteert. Der Unterschied zwischen dem Bereich, in dem wir wohnen, und Auroville ist allerdings immens. Die Aurovillianer, wie sie sich selber gerne nennen, sorgen für schöne Grünflächen um schön designte Häuser, alles sauber, Straßen gepflastert. Sie leben hier in einer anderen Welt. Ich sehe keine Verbindungen zu dem alltäglichen Indien. Sie scheinen genauso wegzuschauen wie das die normalen Touristen tun und genauso ignorant zu sein wie die hier lebenden Inder. Nicht falsch verstehen, ich mag Indien, aber das irgendwie jeder wegschaut und es gar keine gemeinsamen Bestrebungen gibt, irgendetwas zu verbessern, finde ich schlimm.

Aber wenden wir uns wieder etwas Erfreulicherem zu, nämlich dem Essen. Von unserem indischen Restaurant „Kerala“ in Bogenhausen kennen wir ja schon etwas die südindische Küche, insbesondere südindische Thalis. Es zeigt sich, dass im Kerala original südindisch gekocht wird, wir erkennen vieles wieder. Hier ist zwar alles einen Hauch schärfer aber nicht unangenehm. Allerdings kann ich auch nach längeren Versuchen und Studien an Nachbartischen nicht mit einer Hand das Brot zerreißen, um dann Reis und Soße aufzunehmen und zu essen, also werden Gabel und Löffel bestellt. Ich brauche neben einem Thali mit Naan oder Chapati, etwas Reis, vielleicht noch etwas Dal nur noch einen Wassermelonensaft. Bier, natürlich Kingfisher, nur in Ausnahmefällen. Zu einem Thali gehört immer etwas Paneer in einer scharfen Soße und noch zwei, drei andere vegetarische Dips. Als Vorspeise vielleicht noch vegetarisches Pakora.

Den kleinen Kerl haben wir natürlich nicht verspeist. Er hing nur sehr schön an der Decke rum.