Wir waren nur 8 Tage in Indien, ganz bewusst. Es ist für mich ein sehr schwieriges Land. Ich fand es sehr schön, ein paar Tage en famille zu sein und das indische Alltagsleben mitzubekommen. Auf dem Lande zu leben, bedeutet in Indien genauso wie bei uns, viel im Auto unterwegs zu sein, wenn man in der glücklichen Lage ist, eines zu besitzen. Die meisten fahren Motorroller, nutzen ihn aber bezüglich der Zuladung wie ein Auto. Entsprechend abenteuerlich sehen die Konstrukte manchmal aus.
Unsere Fahrten führten uns häufig nach Auroville. Die Kinder besuchen dort einige Veranstaltungen, Reiten, Sport und verschiedene andere Bildungsangebote. Da die Stadt für 50.000 Menschen ausgelegt ist, aber nur ca. 2.500 dort leben, sind große Flächen noch ungenutzt. Alles ist sehr weitläufig. Um den richtigen Abzweig zu nehmen, braucht man eine gute Orientierung. Die einzelnen Standorte wirken mir manchmal etwas verloren. Die Bewohner mögen das sicherlich anders empfinden. Sie sind alle sehr stolz, Teil des Experiments zu sein und lassen das die Besucher auch gerne spüren. Faszinierend finde ich die Kreativität, die an vielen Stellen spürbar ist. Wir dürfen einen Blick in die Instrumentenwerkstatt werfen.

Geht man in ein „normales“ Restaurant, wo auch zumeist nur europäische Gäste anzutreffen sind, muss man dennoch große Vorsicht walten lassen. Vijay reinigt immer die Ränder von Gläsern und das Besteck. Auf rohes Obst und Gemüse in Speisen verzichten sie, ebenso auf Joghurtzubereitungen. Daran muss man bei den Bestellungen immer denken. Als ich aus einer Lust heraus Eiscafé bestellt habe, bin ich anschließend nicht sicher, ob es eine gute Entscheidung war. Mit Eiscreme soll man auch vorsichtig sein. Ich finde diese Einschränkungen etwas hinderlich.
Ich spreche mit drei älteren Deutschen über Indien. Sie kommen seit den 80-er Jahren hierher, weil sie von diesem Land fasziniert sind. Eine der Damen meint, dass sie auch irgendwann genervt sei und sich dann wieder auf Deutschland freue, bis sie wieder Lust auf das wuselige Leben hier hat und zurückkommt. Der alleinreisende Herr meint, dass er, wenn er nach Deutschland zurückkehrt, das Leben dort oft wie tot empfinden würde, niemand auf den Straßen, keine Tiere und alles sei ruhig. Das Leben in Indien ist wirklich laut, ich hatte es schon beschrieben.

Die heiligen Kühe dürfen sich frei entfalten und schauen auch schon mal in der Topfabteilung der Gärtnerei nach dem Rechten.

Ziegen und viele wildlebende Hunde gehören auch dazu. Dieses Zusammenspiel finde ich ganz okay, wobei viele Tiere sehr mager aussehen.
Allerdings kann ich die Armut der Menschen nicht gut ertragen, egal, ob sie betteln oder auf dem puren Asphalt schlafen. Viele Häuser und Hütten sagen mir, dass das Leben darin nicht sehr komfortabel sein kann.

Ich kann darüber nicht einfach unbeschwert die Farbigkeit genießen, die zweifellos vorhanden und nett anzuschauen ist.

Die Menschen, die am Straßenrand ihr Obst verkaufen, mögen auf Touristen idyllisch wirken. Ich glaube, dass sie für ein paar Rupis ein sehr schweres Leben führen müssen.
Die abendliche Fahrt von Chennai zum Flughafen führt uns den Verkehrsinfarkt einer Millionenstadt vor Augen. Für 16 km brauchen wir deutlich mehr als 1 Stunde. Die Verkehrspolizisten tragen Schutzmasken. Viele Zweirad- und Tuk-Tuk-Fahrer atmen die schmutzige Luft tagtäglich ein. Das kann nicht gesund sein.
Ich bin nicht sicher, ob Indien ein Land aus 1001 Nacht ist, wie es die Fluggesellschaft suggerieren möchte.