In Hanoi gibt es seit dem 11. Jahrhundert einen Literaturtempel, den möchte ich mir anschauen. Er ist auf unserem kleinen Stadtplan eingezeichnet und wir versuchen, auf einem möglichst ruhigen Weg dorthin zu kommen.

Am See entlang ist es sehr schön und entspannend, danach kommt man an einigen gut erhaltenen Kolonialgebäuden vorbei, die heute von wichtigen vietnamesischen Einrichtungen genutzt werden. Und irgendwann kämpfen wir uns nur noch durch das Verkehrsgetöse, über breite Kreuzungen, bis sich schließlich ein weitschwingendes Tempeldach hinter einer schützenden Mauer aus dem Alltagseinerlei erhebt. Geschafft. Wir zahlen 30.000 Dong Eintritt, das ist etwas mehr als 1,00 €.

Durch 5 unterschiedlich angelegte Höfe gelangt man ganz allmählich zum Heiligtum der ganzen Anlage, dem Konfuziustempel. Als einziges Gebäude der Anlage ist es auf 2 Etagen angelegt. Es ist ein Opfertempel. Obwohl es heißt, dass über 80 % der Vietnamesen Atheisten seien, sieht man sie an vielen Altären Opfergaben darbringen.

Die Anlage wurde nicht als Tempel oder Lesestätte errichtet, sondern war über einige Jahrhunderte die Nationalakademie für die Söhne der Elite und gilt bis heute als Hauptheiligtum Vietnams. Der Lehrbetrieb wurde 1915 endgültig eingestellt. Die Form der Anlage wurde immer wieder überarbeitet und hat sich ständig verändert.
82 Stelen mit den Namen der Absolventen sind noch erhalten, die während des Vietnamkrieges gerettet werden konnten, weil man sie rechtzeitig vor den Bombenangriffen in Sand verpackt und in Sicherheit gebracht hat. Das Dach wurde in den 90-er Jahren neu darüber gebaut.

Die ganze Anlage ist sehr gepflegt und wird von vielen Touristen besucht. Ich hatte mich auf etwas meditative Ruhe gefreut.

Davon ist nichts zu spüren. Obwohl das Gelände riesig groß ist und die weiten Innenhöfe zum Verweilen einladen, führen 4 breite, laute Straßen außen herum, so dass man sich eher wie auf einer Verkehrsinsel fühlt.
Vor dem Tor warten viele Taxen auf Gäste. Wir lassen uns durch die Rushhour zum Hotel zurückbringen. Es ist unglaublich zuzuschauen, wie sich die einzelnen Verkehrsteilnehmer ihren Weg durch die völlige Verstopfung bahnen.