Schlange stehen als Vorbereitung

Bisher.

Queuing, das britische Schlange stehen, durfte ich hier in Montreal schon mal an der Bushaltestelle ausprobieren. Dass es mich allerdings im Vorlauf zur Weltreise beschäftigen würde, hatte ich mir so nicht ausgemalt.

Als strukturierter Informatiker ist mir das Abarbeiten von Plänen nicht fremd und führte dazu, mir erstmal ein Trello Board für die Reisevorbereitungen anzulegen. 50 einzelne Aufgaben wurden es dann am Ende für mich. Mit der Terminvorgabe und der Strukturierung in Gruppen aber gar nicht so schwer durchzuführen. Manche Aufgaben waren halt zeitaufwändig.

Behördengänge

Arbeitsamt

Wer, wie ich, ungewollt aus einem Job aussteigt, tut gut daran, vor einer einjährigen Weltreise einen Tag arbeitslos zu sein. Das hilft enorm, dem späteren Berufwiedereinstieg entspannt entgegenzusehen. Wenn man nämlich in den letzten 24 Monaten nicht mindestens 12 Monate gearbeitet hat, entfallen alle Ansprüche. Nachdem ich 18 Jahre fleißig eingezahlt habe, sehe ich nicht ein, warum ich meine Ansprüche aufs Spiel setzen sollte.

Entgegen meiner Erwartungen war der Besuch bei meiner Beraterin sehr entspannt. Vorgehen offen durchdiskutiert, ein Jahr Sabbatical kannte sie schon, fand sie gut und hat mich mit den Worten „Wir sehen uns in einem Jahr, viel Spaß“ verabschiedet. Alle weiteren Schritte, wie z. B. die Abmeldung vom deutschen Arbeitsmarkt konnte ich einfach  über die Hotline erledigen. Hier war meine Scheu wirklich unangebracht.

Internationaler Führerschein

Da ich mir vor einiger Zeit einen Kartenführerschein besorgt hatte (ist eine Voraussetzung), war es sehr einfach, den internationalen Führerschein zu bekommen. In München wird er von einer eigenen Abteilung, fast ohne Wartezeit ausgestellt. Passbild, Nummer ziehen, kurz warten, zahlen und Führerschein mitnehmen. Dass es sich dabei um einen guten alten grauen Lappen in Originalgröße handelt, hat mich dann doch überrascht.

Reisepass

Hier hatte ich viel Spaß. Da wir ja ein Jahr unterwegs sein wollen, können wir nicht alle Flüge, Hotels oder andere Reisemöglichkeiten vorab buchen. Daher dachte ich, dass ein zweiter Reisepass durchaus Sinn machen würde. Im Internet gibt es tolle Formulare und den Hinweis, man solle den Antrag gut begründen. Ich dachte eine einjährige Weltreise mit der Notwendigkeit den Reisepass evtl. an mein Reisebüro zu senden, um ein Visum eintragen zu können, sei ausreichend. Fand der Behördenmitarbeiter zwar auch, aber eine lapidare Erklärung von mir fand er uninteressant. Ich solle eine schriftliche Erklärung meines Reisebüros beibringen, in der dieses versichert, mir im Zweifel ein Visum zu besorgen. War dann doch nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt hatte (s.u. Reisebüro).

Das Obskurste war aber die Anforderung, ich solle in einer ausgedruckten Weltkarte alle zu besuchenden Orte mit einem Kreuz markieren. Ich hatte in meinem Antrag diese Länder doch glatt als einfache Liste vermerkt, welch Frevel.

Hat mich doch drei Besuche gekostet, bis ich meinen Antrag durch hatte. Hatte schon was von Büßerbank, ist halt doch erzkatholisch das Oberbayern.

Abmeldung aus Deutschland

Mein Personalausweis trägt nun einen Aufkleber auf der Rückseite der „Kein Hauptwohnsitz in Deutschland“ verkündet. Ist natürlich erstmal ganz lustig, keine Verpflichtungen, keine Adresse für Geschwindigkeitsüberschreitungen oder andere angenehme Briefe. Allerdings sehe ich gerade, dass ich ungefähr gar nichts buchen kann, ohne eine Adresse anzugeben, im Internetzeitalter sollten wir endlich mal komplett auf Mail -, Facebook – oder Twitter – ID umstellen. Adresse hab ich mir dann halt durch eine Postweiterleitung an einen Scan-Service ermogelt. Legal? Keine Ahnung, wird schon keiner merken.

Die Abmeldung ist leider keine eigene Abteilung, ich konnte es auch erst 7 Tage vor Abflug aus Deutschland machen. Führte dazu, dass ich an meinem letzten Tag in München geschlagene 3 Stunden in der Einwohnermeldeamtsschlange gesessen habe. Dabei wollte ich doch  einfach nur weg aus Deutschland. Kann man natürlich auch online machen, ich brauchte allerdings die Abmeldung, um das Sonderkündigungsrecht bei 1&1 zu nutzen, um direkt aus meinem Internetvertrag zu kommen.

Rentenberatung

Die eigentliche Rentenberatung hat mir nix gebracht außer einer Liste, wieviel mehr Rente ich bekomme bei welcher freiwilligen Beitragshöhe. Allerdings hat mir meine Steuerberaterin den richtigen Hinweis gegeben, dass die Steuereinsparung nach meinen gearbeiteten 5 Monaten incl. Abfindung die Investition in die Rente mit einer ordentlichen Rendite belohnt. Man lernt nie aus.

Zu Spritzen, Auto verkaufen, Hausstand einlagern schreib ich dann mal demnächst

 

1 Kommentar zu „Schlange stehen als Vorbereitung“

  1. Hi ihr Beiden,
    vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Interessant zu sehen, dass die ganze Sache doch gut durchdacht und geplant sein muss. Bin auf weitere Details gespannt. Vorallem aber von der Reise.
    Viel Spaß weiterhin und immer im warmen bleiben 🙂

    Gruß,
    Ralph

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