Gestern morgen sind wir früh aufgestanden und haben Abschied vom Meer genommen. Um 7.30 Uhr sitzen wir im Uber-Auto. Shawn, ein sehr sympathischer Surferboy mit roter Lockenpracht und ebensolchem Vollbart plauscht sofort angeregt mit Jan über seine Lebensstationen auf Hawaii, den Philippinen, England usw., Jan erzählt von unserer Reise. Ich sitze hinten, grinse in mich hinein und muss immer an Shawn, das Schaf, denken. Als dann klar ist, dass wir um 9.00 Uhr den Zug bekommen wollen, ebbt das muntere Gespräch deutlich ab, die morgendliche Rushhour hat deutlich zugelegt, alle Straßen in unsere Richtung sind rot markiert, d.h. Stau. Shawn konzentriert sich nun darauf, die verstopften Straßen zu umfahren, was nicht ganz einfach ist, weil wir entweder über die Brücke oder durch den Tunnel auf die andere Seite des Flusses kommen müssen. Die Zeit rinnt dahin, zwischendurch knistert die Stimmung etwas. (Jan wird dem nicht zustimmen.) Aber, um es kurz zu machen, wir haben unseren Zug erreicht. Kurz vor 9.00 Uhr geht sehr unvermittelt von einer breiten Einfallstraße in einem Industriegebiet eine kleine Stichstraße zum Amtrack-Bahnhof ab, die uns geradeswegs bis zum Gleis bringt, wo uns der Schaffner an der einzigen offenen Zugtür persönlich begrüßt.

4 Stunden Bummelzug nach Alexandria, aber ganz komfortabel und nicht überfüllt.
In Alexandria angekommen, schauen wir nach einem Taxi. Ein Herr möchte uns helfen, sein 2. Satz, wie von fast allen Leuten: Where are you from? Er kramt einige, wenige Highschool-Deutsch-Brocken aus und verabschiedet sich mit Tschüss. Er fliegt nach Florida, um seinen Eltern beim Aufräumen nach dem Hurrikan zu helfen. Der etwas zahnlose, aber sehr freundliche ältere Taxifahrer schwärmt nach der gleichen Frage von deutschem Essen, besonders den Würstchen. So trägt uns jeder unserer Gesprächspartner seine durchweg positive Haltung gegenüber Deutschland vor. Mal schauen, ob es so bleibt.
In Alexandria angekommen, halten wir Siesta mit Dortmund gegen Real Madrid. Die Süddeutsche hat Recht: 1 Aubameyang ist gegen Madrid zu wenig.

Dann erkunden wir die King Street, die Shopping- und Flaniermeile von Alexandria. Wilma hat Recht, eine Stadt dieses Namens kennt man nur in Ägypten. Wir haben den Tipp für diese nette Kleinstadt von Petra vom Literaturkreis bekommen, nachdem ich mich über das nicht vorhandende Zentrum von Richmond beklagt hatte. Vielen Dank dafür.
Hier wird der Geschichte der einzelnen kleinen, sehr gepflegten Häuser viel Aufmerksamkeit geschenkt und man kann im Vorbeigehen ein bisschen auf den angebrachten Info-Tafeln lesen.


Auffallend ist die Herbstdeko in Schaufenstern und an den Häusern mit Kürbissen und gelbgefärbtem Laub. Man bereitet sich auf Halloween vor.


Schon seit Wochen gibt es bei Starbucks Pumpkin Chai Latte. Das fühlt sich bei hochsommerlichen 30 Grad etwas verfrüht an. Aber in Deutschland gibt es ja jetzt auch schon Lebkuchen.
Am Abend an der Waterfront sehen wir in der Ferne das Kapitol in Washington, von dem wir nur noch durch den Potomac River getrennt sind. Ein anderer breiter Fluss hat den lustigen Namen Rappahannock. Leider sind von der indianischen Kultur nur einige Namen erhalten.
Heute morgen scheint die Sonne.

Für Virginia Beach ist jetzt Regen und Sturm angesagt, es war eine gute Entscheidung, hierher zu gehen. Ich habe eigentlich keine Lust auf Hotel, hätte lieber ein kleines Apartment. Aber dann gehen wir zum Frühstück und kommen in einen wunderschönen, skandinavisch-maritimen, weiß-blauen, lichtdurchfluteten Raum, herrlich. Es gibt kein Buffet, wir müssen ein Frühstück auswählen. Jan nimmt Würstchen und Ei mit Frühstückskartoffeln, ich Lachs-Omelette, ebenfalls mit Frühstückskartoffeln, deftig, aber lecker. Drei der jungen, sehr aufmerksamen Servicekräfte kommen nacheinander an unseren Tisch und fragen, ob sie uns vielleicht Ketchup bringen sollen. Wir lehnen dankend ab, als Europäer kann man auch schon mal Kartoffeln ohne Ketchup essen.
Als Snack hatten wir eine Amish Käsecreme.
Da tut es mir für einen Augenblick leid, dass ich die Amish am Strand von Virginia Beach nicht angesprochen habe. Man konnte sie schon vom Balkon aus gut erkennen, die Mädels mit langen, unifarbenen blauen oder grünen Kleidern und schwarzen Kopftüchern. Die Jungs hatten alle den gleichen Haarschnitt und trugen dunkle Hose, helles Hemd und Hosenträger. Gerne hätte ich etwas über ihre Lebenshaltung erfahren. Aber sie wirkten recht abgeschottet und ich war mir nicht sicher, ob sie Lust gehabt hätten, mit mir zu reden. In absehbarer Zeit werde ich wahrscheinlich keine Gelegenheit mehr zu einem solchen Gespräch haben.
Dort ist es aber nett! Ich freue mich jeden Morgen auf euren Beitrag!