Mehr als einen Monat waren wir in Peru, davon mehr als 2 Wochen in Lima. Als wir nachts in der Stadt ankamen und durch die Straßen gefahren wurden, war mir alles ziemlich unheimlich. Auch die Umgebung unseres Hotels fand ich nicht toll. Ich musste mich langsam herantasten. Der Verkehr, das hektische Fahren, die Busse, die seltsame Architektur in Miraflores waren für mich sehr befremdlich. Mit großer Vorsicht bin ich am ersten Tag die belebte, hektische Straße zum Einkaufszentrum Larcomar an die Küste gegangen. Von Tag zu Tag habe ich mich an die Stadt gewöhnt. Jeder Tag war überwiegend grau in grau. Ich habe noch für keine Stadt eine so stabile Wetterprognose gesehen wie für Lima, tagsüber 18 Grad mit Wolken (und wenig, meist keine Sonne), nachts 14 Grad. Und das Wetter hat sich immer daran gehalten. In Lima regnet es zumindest in dieser Jahreszeit nicht, es ist einfach nur grau. Einen Anflug von Frühling hatte ich ja schon euphorisch beschrieben. Aber insgesamt ist der Frühling in diesem Jahr wohl spät dran, wie Augusto gestern auch nochmal betont hat.
Dann waren wir gut 2 Wochen auf Reisen. Der Weg zum Flughafen kam uns an einigen Stellen schon bekannt vor, bei Tageslicht am frühen Sonntagmorgen wirkt alles unspektakulär. Auf der Reise haben wir viele verschiedene Eindrücke sammeln können, haben auch viel Armut gesehen. Nicht alle Peruaner profitieren vom florierenden Tourismus. Ein Bild habe ich noch besonders gut vor Augen. Am sehr frühen Sonntagmorgen sind wir in einem großen Reisebus von Puno am Titicacasee Richtung Cusco aufgebrochen. Auf dem Weg kamen wir durch Juliaca, dem Wirtschaftszentrum der Gegend, wie uns der Reiseleiter etwas stolz wissen lässt. Ich habe eher das Gefühl, dass unser Bus etwas zu groß ist für die schmalen Straßen, man kann von oben in die kleinen Geschäfte schauen, alles wirkt bzw. ist zum Greifen nahe.

Und plötzlich rappelt und schwankt der Bus wie ein Schiff auf rauer See. Die Straße ist zuende und wir fahren mit dem großen Gefährt eine ziemliche Weile über den Acker, mitten in einer großen Stadt, die uns als Wirtschaftszentrum beschrieben wurde. Auf den kleinen Hügeln des Ackergeländes herrscht reges Markttreiben.

Wir fahren mit dem riesigen Bus noch durch viele kleine Gässchen zu kleinen Marktplätzen in sehr kleinen Orten. Mir kommt dies alles sehr unverhältnismäßig vor. Die Busfahrer müssen zentimetergenau fahren.

Als wir wieder in Lima landen und ziemlich hektisch durch die abendliche Rushhour gefahren werden, ist mir dies alles schon recht vertraut. Und hier in San Isidro kennen wir uns auch ein bisschen aus. Selbst ich erlebe Momente der Orientierung in dieser 10 Mio. Stadt.
Peru hat 3 Klimazonen: die Küste, die Berge und den Dschungel. Von allen 3 Zonen habe ich nun eine kleine Vorstellung.
Mit dem Frühling kommt die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Wir sind eben auf der Südhalbkugel, vergesse ich schon mal.



Liebe Mia, vielen Dank, dass Sie uns den Kontakt zu Pater Mühl gemacht haben. Mit ihm hatten wir viele interessante Gespräche.
Als letzten wichtigen Programmpunkt mussten wir noch ins Zentrum fahren, zur Plaza Mayor, dem Hauptplatz. Dieser Text, in dem die Farbigkeit der Stadt beschrieben wird, war für mich der Anlass, Lima auf meine Weltreiseliste zu nehmen. Leider ist von dieser beschriebenen Farbenpracht nicht viel übriggeblieben, evtl. liegt es aber auch an dem heute komplett fehlenden Sonnenschein. Es wird die Zeit um 1850 beschrieben. Da ging es Lima, ca. 30 Jahre nach der Unabhängigkeit Perus von Spanien offensichtlich noch richtig gut, wobei wohl auch eher der Wohlstand der weißen zugewanderten Bevölkerung gemeint gewesen sein mag. Wer war der kleine Paul, der dort aufwuchs? Wer hat eine Idee?

Für die Häuser um den Hauptplatz hat man sich mittlerweile komplett für die Farbe ockergelb entschieden, es soll die Farbe der Könige sein.




Bleibt uns nur, den Peruanern viel Glück für das anstehende Spiel zur Fußball-WM-Qualifikation zu wünschen. Nach 35 Jahren ist ihnen eine Teilnahme unbedingt zu gönnen.
Schön geschrieben. Der Text kann eigentlich nur den jungen Gauguin beschreiben. 🙂 weiter gute Reise.