Der schüchterne Osorno

Rolf erzählt uns gefühlt seit Wochen, dass wir den schönsten Vulkan, den Osorno, noch gar nicht gesehen haben und dass alle bisherigen Vulkaneindrücke dadurch erblassen werden. Nun sind wir seit 4 Tagen am Llanquihue See, haben den Vulkan aber noch nicht gesehen, mal schüttet es aus Kübeln, mal ist der Gipfel wolkenverhangen. Der Hotelier hat schon Mitleid und teilt uns halbstündig die Wetterlage mit. Heute morgen zeigt sich der Osorno für ganze 10 Minuten in voller Pracht, bevor er sich wieder mit Wolken verhüllt.

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Ein schöner Einstieg in einen Tag auf der Jagd nach dem Vulkan, wir müssen nur noch näher ran. Der Plan ist, halb um den Vulkan herumzufahren, auf dem Weg einen Wasserfall zu besuchen und dann zum Skigebiet raufzufahren. Der Osorno sollte von überall sichtbar sein, vom Wasserfall aus am schönsten.

Kaum sind wir losgefahren, werden die Wolken wirklich dicht, der Vulkan ist wieder komplett weg. Nach einstündiger Fahrt haben wir den Wasserfall erreicht. Der Petrohué Fall ist eine Touristenattraktion. Rolf sagt, dass sogar die Kreuzfahrer von Puerto Montt hierhin Tagesausflüge machen. Also erstmal Eintritt zahlen. Drei Rundwege sind ausgeschildert, alle nicht besonders lang.

Der erste Weg führt uns zum Wasserfall, erinnert ein wenig an den Rheinfall, nur viel kleiner und die Wucht des Wassers kann man direkter sehen. Der Fall geht durch massiven Granit, hat sich einige Kanäle gegraben, nicht zum Schwimmen geeignet, obwohl die türkis–blaue Farbe dazu einlädt.

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Der Vulkan hüllt sich in Wolken.

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Der zweite Weg führt zu einer blauen Lagune mit schönem Wasserfall, toll, hätte ich mal die Badehose eingepackt.

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Der Vulkan zeigt zwischen den Wolken ein wenig seine Spitze, für 3 Minuten. Man ahnt seine Größe.

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Der dritte Weg führt durch einen dichten Wald, fast so dicht wie gestern, aber trockener. Tolle Tepú Bäume mit roter Rinde und Bambus wachsen hier in Massen. Dafür, dass es so touristisch ist, sind wir mit wenigen Leuten unterwegs.

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Der Vulkan ist nicht zu sehen.

Wir entscheiden uns, trotz der Wolken zum Skigebiet hochzufahren, Erwartungswert geht gegen null. Die ersten 500 Höhenmeter gehen durch Wald. Am ersten Aussichtspunkt gibt Rolf durch das Rauchen einer Zigarette dem Vulkan noch etwas Zeit sich zu enthüllen. Aktuell ist er mal wieder gar nicht zu sehen.

Noch mal 500 Höhenmeter durch zunehmend verkrüppelten Wald und die ersten Lava- und Aschefelder. Dann plötzlich fahren wir um eine Ecke und haben den ersten schönen Blick auf den Vulkan seit morgens. Wolkenfetzen ziehen immer wieder durchs Bild.

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Im Skigebiet angekommen, bietet sich uns endlich ein ungetrübter Blick, schwarze Lava und Asche vor weißem Vulkankegel. Rolf und ich beschließen, ein wenig aufzusteigen, erreichen die Bergstation des unteren Sesselliftes und gehen auf dem Grad eines Aschehügels zurück. Toller Blick auf Vulkan und sogar runter zu den Wasserfällen.

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Der Vulkan zeigt sich in seiner vollen Pracht.

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Auf der Rückfahrt, nachdem wir um die erste Kurve gefahren sind, ist der Vulkan auch schon wieder weg. Bis zu unserer Abfahrt werden wir ihn auch nicht mehr sehen. Sehr schüchtern der Gute.

2 Kommentare zu „Der schüchterne Osorno“

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