Von Chile nach Neuseeland

(Vor)gestern Nachmittag telefonieren wir noch gemütlich von unterwegs aus mit Alex, um uns einige Tipps für Neuseeland geben zu lassen. Wir haben ja noch viel Zeit. Es sind nur noch 100 km bis Santiago und unser Flieger geht erst nach Mitternacht.

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Gegen 6 sind wir am Flughafen, müssen aber noch einige Zeit rumkurven, bis wir eine Tankstelle finden, um nicht den teuren Sprit bei Europcar zu bezahlen. Wir kommen schließlich zurück zum Ausgangspunkt, wo wir den Wagen in Empfang genommen haben. Nichts anderes war beschildert. Es ist aber niemand zu sehen, der uns den Wagen abnehmen möchte. Ein Mitarbeiter eines Mitbewerbers rät uns, mit Autoschlüssel zum Tresen innen zu gehen. Dort wird Jan noch 3 Blocks weiter zur Rückgabestelle geschickt. Ich versuche unterdessen einige Karten bei der Post abzugeben. Die hat wie bei unserer Ankunft geschlossen. Dann ist das Auto abgegeben.

Nun wollen wir die Koffer loswerden, uns im Flieger Plätze nebeneinander reservieren und dann gemütlich zu Abend essen. Man merkt schon, wie trügerisch das ist. Da unser Abflug noch lange hin ist, ist der Gepäckschalter erst ab 20.30 Uhr geöffnet. Als es soweit ist, legen wir unsere Reservierung und die Pässe vor, wie immer und dann kommt zum ersten Mal die Frage nach einem Weiterflug von Neuseeland aus. Dieses Thema hat uns schon vor unserem Reisebeginn aufgescheucht, als wir 2 Tage vor Abreise noch schnell den Flug aus Kanada raus buchen mussten. Da dann aber nie jemand nach einem solchen Ticket gefragt hat, haben wir das nicht mehr ernst genommen. Wir wurden eventuell mal gefragt, wie lange wir bleiben wollen und das war’s. Aber nun besteht die Mitarbeiterin der Fluggesellschaft auf einem solchen Ticket, sonst könne sie uns nicht einchecken. Bis 23.00 Uhr hätten wir Zeit.IMG_1963 Also zockeln wir mit unseren Koffern ab, suchen uns ein ruhiges Eckchen und packen das iPad aus. Ich hatte ja schon letztes Jahr: Australian Open 2018 auf meine Reisezielliste geschrieben. Also schauen wir, für welche Tage es noch Karten und halbwegs günstige Flüge nach Melbourne gibt. Man wird dann schon etwas hektisch und die Stimmung ist nicht wirklich entspannt.

Um 22.15 Uhr stehen wir wieder am Schalter. Die beiden Mitarbeiterinnen können sich sofort an uns erinnern. Ticket? Ja klar kann Jan das Qantas-Ticket auf dem iPhone vorzeigen. Geschafft. Gegen 23.00 Uhr bekommen wir als letzte Gäste noch ein paar Chips mit Guacamole, danach schnell aufs Klöchen und schon geht’s ab in den Flieger. Wir starten am 4. Januar um 0.35 Uhr, fliegen 12 Stunden immer im Dunkeln und landen bei sehr stürmischem Wetter morgens um 5.00 Uhr am 5. Januar in Neuseeland.

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Uns fehlt ein ganzer Tag. Genaueres über Zeitverschiebung kann Jan erklären. Wir haben im Flieger etwas geschlafen. Trotzdem bin ich ziemlich müde und meine immer, dass es später Abend ist und ich nun bald schlafen darf. Aber dann kommt erstmal die Einreise nach Neuseeland.

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Wir mussten unterwegs einen Zettel mit Fragen ausfüllen. Man darf kein Obst, kein Essen, keine Tiere, keine Outdoor-Sachen, auch Schuhe, die man in der „Wilderness“ anhatte, einführen. Wir sind etwas unsicher mit unseren Kreuzen. In Südamerika waren die Beamten sehr streng. Deswegen hatte Franz geraten, bei Unsicherheit besser nichts ankreuzen und nicht unterschreiben, sondern alles vorzeigen und die Leute selbst entscheiden lassen. Damit ist man vor Strafe sicher. Und so haben wir es gemacht, haben unseren kleinen Vorrat an Bonbons und Süßem vorgezeigt und gesagt, dass wir mit unseren Schuhen Wanderungen in Nationalparks gemacht hätten. Aber das war eine Entscheidung mit zeitraubender Folge. Mit ganz großer Freundlichkeit wurden wir bis aufs letzte Fitzelchen gefilzt. Es war wie zu guten alten DDR-Zeiten, nur eben in freundlich. Der Beamte zog Handschuhe an, packte unsere Rucksäcke und unsere Koffer wirklich bis auf das letzte Teil aus, während er nett mit uns über Weltreise u.ä. smalltalkte. Wir saßen daneben und schauten zu. BHs, Unterwäsche, gebrauchte Tempos, Schmutzwäsche, Kosmetikartikel, alles schaute er sich mit großer Sorgfalt an. Irgendwann hat es mich auch ein bisschen amüsiert, von einer Zuschauerrolle aus zu sehen, was ich alles in meinem Rucksack habe. Mario Barth hat sich mal über die Untiefen der Handtasche einer Frau ausgelassen. Als alles ausgepackt war, wurden Koffer und Rucksäcke im leeren Zustand geröntgt, ohne Befund. Er hat uns noch viele Fragen gestellt, deren Antworten er auf kleine leere DIN A 6-Zettel schrieb. Als zwischendurch Jans Handy klingelte, weil der inzwischen ungeduldige Taxifahrer sich erkundigen wollte, wo wir abbleiben, hat der Beamte den Anruf mit größter Selbstverständlichkeit ausgestellt und meinte, dass wir nach Ende der Untersuchung von draußen aus wieder telefonieren dürften. Er hat ausgiebig Rücksprache mit seinem Chef gehalten, eine weitere wichtige Mitarbeiterin kam, warf einen flüchtigen Blick auf unsere Gepäckstapel und setzte einen Haken unter den Vorgang. Dann durften wir den ganzen Inhalt wieder einpacken. Aber das ging schnell. Darin haben wir seit 5 Monaten Übung. Danach wurden wir zum Ausgang begleitet. Ob und was wir ggf. falsch gemacht haben, ist uns nicht klar. Wir waren auch nicht die Einzigen, die in dieser Form kontrolliert wurden. Um 5.00 Uhr waren wir gelandet, inzwischen war es 7.30 Uhr und hell draußen. Jan musste den Taxifahrer suchen, der freundlicherweise auf uns gewartet und uns in Windeseile zum Hotel gebracht hat. Es ist immer noch sehr stürmisch draußen und regnet.

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Also holen wir erstmal etwas Schlaf nach. Mal schauen, was die Kiwis noch so auf Lager haben.

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1 Kommentar zu „Von Chile nach Neuseeland“

  1. So schnell ist man ein ganzes Stück weiter mit der Weltumrundung! Wünsche euch eine schöne Zeit mit Kiwis und Hobbits! Der Literaturkreis trifft sich übrigens auch ohne mich am 24. Januar mit dem Buch von Kazuo Ishiguro „Was vom Tage übrigbleibt“.

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