The Overland

Der Überland ist ein Zug, der zweimal die Woche zwischen Melbourne und Adelaide verkehrt. 828 km in 11:30 Stunden, Durchschnittsgeschwindigkeit 85 km/h, Höchstgeschwindigkeit 110 km/h. Wir wollen ein bisschen australische Landschaft sehen und nicht nur drüberfliegen. Morgens um 7 ist Kofferabgabe, allerdings ist einer unserer Koffer zu schwer und ich muss ihn selber zum Gepäckwagen bringen. Der Zug sieht schon etwas älter aus, aber im Waggon ist es gemütlich mit viel Platz. Wie auch schon in den USA haben wir persönlichen Service beim Einsteigen, jeder Passagier wird auf einer Liste abgehakt. Das Personal ist in Kaki mit Lederhut gekleidet, wir sind ja schließlich in Australien.

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Es geht los durch die Außenbezirke von Melbourne. An den Gleisen präsentieren wir unsere Häuser und Grundstücke ja nicht mehr von der besten Seite. War das eigentlich mal anders? In Melbourne gab es in den schmalen Gassen viel großflächiges Graffiti. Wie wir erfahren haben, von der Stadt bezahlte Kunst, nicht so interessant und daher von mir bislang nicht kommentiert. Hier am Güterbahnhof sieht man dann all die wilden Tags, die in der Stadt gefehlt haben. Jeder Zentimeter von jedem Waggon ist besprüht. Der Hafenbereich ist voller Container und es scheinen doch Frachtschiffe in die Bucht von Melbourne zu fahren, zumindest gibt es einige Containerkräne.

Einmal raus aus der Stadt fängt das bäuerliche Landleben an. Für uns heißt das endlose Stoppelfelder, manchmal durch geschorene Schafe aufgelockert. Die Stoppelfelder haben eher lange Stoppeln und sind sehr unterschiedlich dicht bepflanzt. Sie sind zwar riesig, aber die Getreidesorten scheinen vielfältiger als bei uns zu sein. Irgendwo habe ich gelesen, dass Australien sehr viele Müsliriegel exportiert. Die Spuren im Stoppelfeld sind sehr breit, die Maschinen scheinen groß zu sein.

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Der erste Stopp in einer 200.000 Einwohnerstadt namens North Shore – Geelong wird mit den Worten, es gäbe dort ein historisches Zentrum, angekündigt. Leider scheint der Bahnhof außerhalb zu liegen, wir sehen leider wenig von der Stadt. Ich hoffe, dass die nächsten Bahnhöfe interessanter werden.

Es stellt sich natürlich die Frage, macht es Sinn aus einem fahrenden Zug zu fotografieren? Ich versuche es mal mit ein paar Schnappschüssen, die Weite einzufangen ist aber nicht einfach. Ab und an tauchen in der Ferne ein paar Berge auf.

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Nächster Stopp Ararat, was etwas türkisch anmutet, ist aber eine Goldgräberstadt von chinesischen Prospektoren 1853 gegründet. Angeblich gab es eine 8 km lange Goldader, die größte der Welt. Die Häuser am Bahnhof sehen nach Wohlstand aus. Jetzt ist der Getreide- und Weinanbau der Region die Geschäftsgrundlage der 12.000 Einwohner.

Schon Mittagspause, Moussaka wollten wir nicht, daher essen wir das australische Bahnpendant zu unserem deutschen Hühnerfrikassee, Curry mit Chicken und Reis. Es wird uns ein Nationalpark angekündigt. Bislang sind wir 300 km gefahren und fast die ganze Strecke war Ackerland, sprich Getreidefelder. Ist aber nicht so eintönig, wie es klingt, Bäume, Schafe, mal ein Sumpf oder eine Farm, lockern die endlose Landschaft auf.

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Der einspurigen Bahnstrecke hat sich jetzt eine klassische Telegraphenleitung hinzugesellt. Bis zu 20 Leitungen habe ich gezählt, jetzt, weiter weg vom nächsten Dorf bleiben nur noch 4 übrig. Satellitentelefon vs. Kupferleitung? Das IPad zeigt ein bis vier Balken, meistens LTE an. Brauchen wir noch persönliche Leitungen?

Wir passieren gerade die Grenze zu South Australia, unserem vierten Bundesland in Australien. Während die letzten drei in der selben Zeitzone liegen, müssen wir jetzt eine halbe Stunde abziehen. Halbe Stunde? Ja, ich weiß auch nicht, warum die das hier so umständlich machen, jetzt sind wir also nur noch 9:30 h in der Zukunft. Wer soll das immer umrechnen? Wer es wirklich genau wissen möchte, schaut mal in diesen Wikipedia Artikel, aber dann bitte bis zum Ende lesen.

Die Landschaft ändert sich, der Boden wird sandig, am Horizont sieht man in den Bodenwellen immer mehr offene, sandige Stellen. Die ersten Bewässerungssysteme tauchen auf, dadurch sieht es etwas grüner aus. Viel Buschwerk zwischen der Bahnlinie und den Feldern, man kann nicht mehr so einfach in die Weite schauen.

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Wir erreichen die Adelaide Hills, eine sanfte Hügellandschaft, Viehwirtschaft, Getreide und Apfelbäume. Eine Tagebau Kupfermine zerschneidet die Hügel, hohe Preise und der effiziente Tagebau machen es rentabel, hier zu graben. Schön sieht es nicht aus. Die Hügel werden schroffer, Tunnel, dazwischen Eukalyptuswald. Nachdem wir heute schon Schafe, Kühe, ein Kamel, Ziegen und Kängurus gesehen haben, huscht ein Baum mit einem Koala drin vorbei. Zugfahren ist dann doch auch eine zu flotte Fortbewegung für die Tierbeobachtung und vor allem -fotografie.

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Ankunft Adelaide, alles gut geklappt, zu viel gegessen, zu viel gesessen.

 

1 Kommentar zu „The Overland“

  1. am besten im Wikipediaartikel ist der Part TRIVIA 🙂 ich glaube, den muss man mindestens 5x lesen, bevor man alles wirklich verinnerlicht hat.

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