Theth

7:30 Abfahrt im Minibus vom Hostel. Ich habe das Auto auf einem bewachten Parkplatz und den Koffer im Hotel gelassen. Einmal werde ich in Theth übernachten und dann mit dem selben Minibus wieder zurückfahren. Ich bin erstmal gespannt ob ich die Strecke nicht auch selber hätte fahren können. Der Fahrer wird von dem Beifahrer instruiert wie er um welche Schlaglöcher herumfahren soll, der Fahrer erzählt dem Beifahrer im Gegenzug lustige Geschichten. Die Strasse biegt irgendwann in die Berge ab. Schafsherde mit Schäfer, zwei Frauen die 3 Kühe treiben, viel Verkehr für eine abgelegen Bergstraße. Leider wird das Wetter immer schlechter. Wir fahren von Meereshöhe über einen Pass mit 1772 m wieder runter in das Tal von Theth auf 720 m, wer hier, wie ich, eine geschlossenen Ortschaft mit schönen Steinhäusern erwartet, wird etwas enttäuscht. Das Tal hat einzelne Höfe, die aber inzwischen alle Übernachtungen anbieten. Mein Hostel liegt am Ende des Dorfes in Richtung meiner Wanderung, wird etwas Zeit sparen.

Ich checke ein und packe meinen Rucksack, noch schnell die Frühstücksbanane essen und los gehts. Der Weg aus dem Dorf heraus ist nicht sehr schön, alles sieht nach Baustelle aus. Wenn man aber über den Rand des Dorfes hinaus ist, wird es ein schöner Alpiner Weg. Ich habe alle Kleidung, die ich eigentlich zur Sicherheit mitnehmen wollte, Jacke und Regenjacke, schon angezogen. Es regnet ziemlich und wird auch die nächsten 5 Stunden weiterregnen. Gut das ich das jetzt noch nicht weiß. Das Bergpanorama ist, trotz der romantisch, tiefhängenden Wolken, sehr beeindruckend. Alles ist fast komplett bewaldet und trotzdem steigen überall steile Kegel auf. Erinnert mich ein bisschen an die Umgebung von Machu Picchu, da das Tal sehr eng ist und auch der rauschende Bergbach immer an meinem Weg entlangläuft. Der Weg ist gut gebaut, sollen Schweizer Wegebauer gemacht haben, aber schlecht ausgeschildert. Bei dem Regen ist mein Handy sehr schnell so nass, das die Bedienung nicht mehr richtig funktioniert und ich meinen Weg auf Komoot nicht gut verfolgen kann. Erstes Ziel ist der Wasserfall, nur 45 Minuten vom Hostel entfernt. Es geht steil rauf und hinterher noch steiler wieder runter.

Schönes klares Bergwasser, bei Sonne würde ich hier eine längere Pause machen, so gehe ich aber einfach weiter. War trotzdem den Aufstieg wert. Es geht weiter auf dem normalen Weg. Achso, ich habe ja noch gar nicht verraten wo es hin geht, Ziel ist ein kleiner See mit dem Namen Blue Eye, ich bin gespannt. Nach dem Wasserfall frage ich mich schon ob ich bei dem Wetter noch Lust habe, aber der Weg ist das Ziel und im Hostel rumhängen will ich auch nicht.

Es gibt ja auch schönes im Regen. Ich treffe ein Pärchen das mit dem Zelt unterwegs ist und noch möglichst weit ins Unterland möchte. Ich schaue die beiden bei „Zelt“ etwas bedauernd an, sie schaut genau so zurück. Auf dem Rückweg treffe ich sie noch einmal, immer noch frohen Mutes. „Do not trust the bridges“ habe ich schon im Internet gelesen und höre es auch auf dem Weg. Hab ich mir zu Herzen genommen und gehe doch durch den Fluss. Nasse Füße habe ich eh schon.

Nach fast drei Stunden komme ich am Blue Eye an. Wirklich nicht zu viel versprochen. Bei gutem Wetter kann man auch mal reinspringen. Ich bin mit 5 anderen am Pool, die meisten Menschen die ich auf dem Weg auf einem Haufen gesehen habe. Insgesamt habe ich vielleicht 20 Personen in 5 Stunden getroffen, von Massentourismus kann man heute wirklich nicht sprechen. Was hier etwas grün wirkt war in Wirklichkeit schön blau.

Den beiden Holländern, mit denen ich kurz Pause gemacht habe, sage ich noch wie ich mich auf die heiße Dusche freue und mache mich auf den Rückweg. Jede Pfütze ist inzwischen doppelt so groß geworden, besonders solche an denen man auf dem Hinweg kaum außen vorbeigehen konnte, werden zu Ärgernis.

Die Fotos habe ich alle ohne Brille gemacht, ich konnte sie einfach nicht aufsetzen. Hat mich sehr an eine Wanderung mit Rolf in Chile erinnert, wo wir umkehren mussten weil seine Tempos zum Brille putzen alle waren. Das war aber im warme Küstenregenwald Patagoniens. Hier wird es mir langsam kalt, auch die Rückseite meiner Wanderhose ist inzwischen durch. Wird Zeit für die Dusche. Nach genau 5 Stunden bin ich dann auch wieder am Hostel, fast 20 km im Regen marschiert, 550 Höhenmeter, 2 Snickers, eine halbe Tüte Balsen Crackers und 1,5 Liter Wasser haben mich begleitet. Wäre sicher mehr gewesen, man konnte aber wirklich keine Pause machen weil es auch keine Unterstände gibt.

Leider konnte ich in den Bilder die Schönheit der Landschaft nicht wirklich einfangen. Ich habe von einer ähnlichen Wanderung in Südalbanien gelesen, vielleicht komme ich ja noch dazu.

Jetzt warte ich auf das Abendessen und ein Bierchen, bislang habe ich noch darauf verzichtet um nicht vor dem Abendessen schon einzuschlafen. Morgen geht es mit dem Minibus zurück zu meinem Auto. Auf der Karte sieht man schön wie sich die SH21 über den Pass schlängelt.

[googlemaps https://www.google.com/maps/d/embed?mid=15NnfHlWRqaC4zzeKpYmSAXdmfFtsIZY&w=800&h=480]

2 Kommentare zu „Theth“

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